20.10.2004, 13:28 Uhr
Schellfische erwerben Netz-Kompetenz
Selbst wenn die Maschen eines Netzes weit genug für einen Fischkörper sind, können sie doch eine psychische Barriere darstellen. Entsprechende Untersuchungen hat ein türkisch-amerikanisches Forscherduo angestellt. Schellfische brauchen demnach mehrere Anläufe, bis sie sich durch die Maschen eines Netzes trauen. Dabei scheinen scheue Individuen von wagemutigen Artgenossen zu lernen.
Die Maschenweite von Netzen ist darauf ausgelegt, dass kleine, noch nicht geschlechtsreife Fische durch sie hindurchschlüpfen können. Dennoch umfasst der Fang regelmäßig Individuen aller Altersstufen. Hüseyin Özbilgin von der Ege Üniversitesi in Izmir und Chris Glass vom Center for Conservation Sciences in Manomet, Massachusetts, nahmen dieses Phänomen nun genauer unter die Lupe.
Die Forscher trainierten zehn junge Schellfische (Melanogrammus aeglefinus) darauf, auf ein Leuchtsignal hin rasch von einem Ende ihres sechs Meter langen Beckens zum anderen zu schwimmen. Dann spannten sie in der Mitte des Beckens ein Netz mit einer Maschenweite von 20 Zentimetern auf. Zunächst scheuten die Jungfische, obwohl die Maschen um ein Vielfaches weiter waren als ihre Körper. Erst beim sechsten Versuch fassten sich einige Tiere ein Herz und schlüpften durch die Maschen. Ihr Beispiel machte offenbar Schule, sodass beim 15. Durchgang alle zehn Fische ohne Zögern durch das Netz schwammen.
Özbilgin und Glass ersetzten das Netz nun durch eines mit lediglich zehn Zentimetern Maschenweite. Erstaunlicherweise trauten sich schon beim dritten Durchgang alle Tiere durch die Sperre, berichten die Forscher im "ICES Journal of Marine Sciences". Scheinbar lernten Schellfische sowohl durch Erfahrung als auch durch Beobachtung. Diese Resultate "könnten wichtige Konsequenzen für die Effizienz und Selektivität der Fischereiausrüstung in stark befischten Gewässern haben", schreiben die Biologen. Vielleicht gebe es regelrechte Haudegen unter Schellfischen, die kaum zu fangen seien und jüngeren Artgenossen als Vorbild dienten.
Forschung: Hüseyin Özbilgin, Fisheries Faculty, Ege University, Bornova-Izmir, und Chris Glass, Manomet Center for Conservation Sciences, Manomet, Massachusetts
Veröffentlichung in ICES Journal of Marine Sciences, DOI 10.1016/j.icesjms.2004.07.001
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Ege Üniversitesi
Schellfisch
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