21.10.2004, 12:37 Uhr
Östrogen fördert Naturwissenschaftler
Schon im Mutterleib scheinen die Weichen für die Karriere gestellt zu werden. Darauf deutet eine Umfrage unter Akademikern an einer britischen Universität hin. Gemessen an den Längen von Zeige- und Ringfinger, scheinen relativ hohe Östrogenspiegel bei männlichen Föten eine spätere Laufbahn in Naturwissenschaften und Mathematik zu begünstigen.
"In der Allgemeinbevölkerung finden sich bei Männern typischerweise höhere Testosteronspiegel als bei Frauen", erläutert Mark Branson von der University of Bath, "bei den männlichen Naturwissenschaftlern an unserer Universität fanden sich dagegen ungewöhnlich niedrige Testosteronspiegel - die Spiegel von Östrogen und Testosteron erreichten bei ihnen ähnliche Werte wie bei Frauen."
Für seine Untersuchung befragte Branson 107 Akademiker nach den Längen ihrer Ring- und Zeigefinger. Das Längenverhältnis wird im Mutterleib festgelegt und steht im Zusammenhang mit den Spiegeln der Geschlechtshormone: Ist der Zeigefinger kürzer als der Ringfinger, spricht dies für mehr Testosteron, ist der Zeigefinger länger, für mehr Östrogen.
Wie Branson demnächst im "British Journal of Psychology" berichtet, war das Fingerlängenverhältnis bei Naturwissenschaftlern deutlich höher als bei Geisteswissenschaftlern. Möglicherweise fördere der ungewöhnliche Hormonmix die Entwicklung der für analytische Fähigkeiten und räumliches Vorstellungsvermögen zuständigen rechten Gehirnhälfte, so der Forscher. Allerdings hätten diese Bedingungen auch unangenehme Nebeneffekte: Die Männer mit hohen Östrogenspiegeln hatten seltener Kinder, umgekehrt jedoch häufiger Verwandte mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche.
Forschung: Mark Brosnan, Department of Psychology, University of Bath
Veröffentlichung vorgesehen in British Journal of Psychology
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