19.10.2004, 16:34 Uhr
Katzengold schafft Fundgrube für Paläontologen

Katzengold ist der Schlüssel zu ungewöhnlich gut erhaltenen Fossilien, glauben englische und chinesische Geowissenschaftler. Von Bakterien ausgefällt, hat das Mineral demnach nicht nur die Umrisse tierischer Strukturen im Detail konserviert. Die Form der Kristalle könnte sogar Hinweise auf die Konsistenz des jeweiligen Gewebes liefern.

Foto eines Chengjiang-WurmfossilsSarah Gabbott von der University of Leicester und ihre Kollegen studierten die Chengjiang-Fossilien in der chinesischen Provinz Yunnan. "Obgleich die tierischen Überreste über 500 Millionen Jahre alt sind, können wir beinahe jedes Detail ihrer Anatomie studieren", begeistert sich die Paläontologin, "vom stachelbewehrten Rüssel urzeitlicher Würmer bis zu Borsten an Beinen primitiver Gliederfüßer."

Festgehalten wurden die Details letztlich durch den Stoffwechsel von Mikroben, schreiben Gabbott und ihre Kollegen nun im Fachblatt "Geology". Die Fossilien seien in Sediment entstanden, das wenig organischen Kohlenstoff, dafür jedoch reichlich Schwefel und Eisen enthalten habe - vorteilhafte Bedingungen für Bakterien, die Schwefel bzw. Eisen anstelle von Sauerstoff veratmen und dadurch den Anstoß für die Ablagerung des Eisensulfid-Minerals Pyrit geben. Dieses auch als Katzengold bekannte Mineral hätte sich auf den rasch verwesenden Kadavern der Chengjiang-Tiere abgelagert und so die Gestalt ihres Weichgewebes und teilweise sogar ihres Darminhalts bewahrt.

"Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass die Art des Weichgewebes die Form der wachsenden Pyritkristalle beeinflusst haben könnte", so Gabbott. Rasch verwesendes Gewebe hätte zur schnellen Produktion von Schwefelwasserstoff geführt und damit zur Bildung vieler Kristallkeime. Folge seien himbeerförmige Pyritkristalle, so genannte Framboide. Widerstandsfähigere Gewebe hätten dagegen nur wenige Kristallisationskeime geliefert, sodass hier vorwiegend große Kristalle von der Form eines Oktaeders oder Würfels entstanden seien.

Bild: Cricocosmia jinningensis, ein Vertreter der Chengjiang-Fauna. Foto: Derek Siveter, University of Leicester


Forschung: Sarah E. Gabbott, Department of Geology, University of Leicester; Hou Xian-guang, Research Centre for the Chengjiang Biota, Yunnan University, Kunming; und andere

Veröffentlicht in Geology, Vol. 32(10), pp 901-4, DOI 10.1130/G20640.1

WWW:
Palaeobiology, U Leicester
Chengjiang-Fauna
Fossilien
Making Fossils

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