13.8.2004, 13:41 Uhr
Staubige Spuren eines Planetensystems
Ein Planetensystem im Prozess der Entstehung glaubt ein amerikanischer Astronom entdeckt zu haben. Seine Aufnahmen zeigen, dass die Staubscheibe um einen nahe gelegenen Stern leicht verbogen ist und deutliche Dichteschwankungen aufweist. Die wahrscheinlichste Erklärung seien junge Planeten oder deren Vorläufer.
Michael Liu von der University of Hawaii nutzte eines der Keck-Zwillingsteleskope auf dem Vulkan Mauna Kea, um den Stern AU Microscopii (AU Mic) im Infrarotlicht zu beobachten. "Wir können die jungen Planeten bei AU Mic nicht direkt beobachten", erläutert der Forscher, "gänzlich verstecken können sie sich aber nicht. Sie verraten sich durch den Einfluss ihrer Schwerkraft, indem sie Muster in einem Meer aus Staub erzeugen."
Bild: Michael Liu, UH-IFA/W. M. Keck Observatory
AU Mic ist etwa 33 Lichtjahre von der Sonne entfernt und liegt damit praktisch vor der Haustür irdischer Astronomen. Bereits Anfang dieses Jahres hatte Liu berichtet, dass der lediglich zwölf Millionen Jahre alte Stern von einer Staubscheibe umgeben ist. Indem der Forscher mit Hilfe einer speziellen Beobachtungstechnik das helle Gleißen des Muttersterns ausblendete, konnte er nun die inneren Bereiche der Staubscheibe - bis 15 Astronomischen Einheiten (Erdbahnradien) an den Stern heran - mit einer Auflösung von 0,4 Astronomischen Einheiten abbilden.
Wie Liu in der Online-Ausgabe des Magazins "Science" berichtet, zeigen sich im südöstlichen Abschnitt der Scheibe deutliche "Klumpen" in 25 und 31 Astronomischen Einheiten Abstand von dem Stern. Zwischen liegt zudem ein Bereich leichten Staubmangels. Lediglich eines dieser Merkmale trete auch im nordwestlichen Abschnitt der Scheibe auf. "Solche nicht-axialsymmetrischen Strukturen lassen sich am ehesten durch nicht sichtbare Planeten erklären", schreibt der Forscher. Anders als die hiesigen Planeten mit ihren nahezu kreisrunden Bahnen, zögen die Planeten bei AU Mic offenbar auf stark elliptischen Bahnen um ihr Zentralgestirn und hinterließen daher nur in einer Hälfte der Staubscheibe ihre Spuren.
Forschung: Michael C. Liu, Institute for Astronomy, University of Hawaii, Honolulu
Online-Veröffentlichung Science Express, DOI 10.1126/science.1102929
WWW:
Homepage Michael Liu
W.M. Keck Observatory
Circumstellar Disks
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