13.8.2004, 12:08 Uhr
Satelliten messen Wasserbilanz der Kontinente

Einem deutsch-amerikanischen Team von Geowissenschaftlern ist es erstmals gelungen, mit Hilfe von Satelliten die Veränderungen im jahreszeitlichen Wasserbudget der Kontinente zu erfassen. Ihre Analyse zeigt, dass die größten saisonalen Schwankungen in den Einzugsgebieten der großen tropischen und sibirischen Flüsse auftreten, beispielsweise Amazonas, Kongo, Ganges sowie Ob und Lena.

Für ihre Studie nutzten die Forscher am GeoForschungsZentrum Potsdam und an der University of Texas in Austin Daten der GRACE-Satelliten. Die Resultate belegten, "dass mit GRACE umweltrelevante Prozesse, die bisher messtechnisch unzugänglich waren, aus dem Weltraum mit globaler Abdeckung zu erfassen sind", erläutert Christoph Reigber von dem Potsdamer Forschungszentrum. Großräumige klimatologische Modelle könnten so entscheidend verbessert werden.

Die Erde als Knolle: Grafik des irdischen Schwerefelds.

Die Erde als Knolle: Das irdische Schwerefeld in stark überhöhter Form. Grafik: GFZ Potsdam

Die zwei Satelliten des GRACE-Programms (Gravity Recovery and Climate Experiment) umkreisen seit März 2002 die Erde und erfassen dabei peinlich genau, wie sich ihr Abstand zueinander und ihre Flugbahn durch Unregelmäßigkeiten im Schwerkraftfeld der Erde verändern. Kommt beispielsweise der "vorausfliegende" Satellit in einen Bereich erhöhter Schwerkraft, wird er beschleunigt und der Abstand zu dem zweiten Satelliten nimmt zu. Gerät auch der zweite Satellit in den Bereich stärkerer Schwerkraft, während der erste bereits aus ihm "herausklettert", verringert sich die Distanz wieder.

Indem sie das "Tänzeln" der GRACE-Satelliten verfolgen, können die Forscher räumliche und zeitliche Schwankungen des irdischen Schwerefelds vermessen. Wie sie kürzlich im Magazin "Science" berichteten, lässt sich so auch die jahreszeitliche Verlagerung von Wasser zwischen Kontinenten und Meeren mit einer räumlichen Auflösung von bis zu 400 Kilometern erfassen. Derzeit wird in Potsdam und Austin daran gearbeitet, weitere Klimaindikatoren aus den Satellitendaten zu lesen. Dazu gehören großräumige Zirkulationsmuster in den Ozeanen sowie Veränderungen in der Mächtigkeit polarer Eisschilde.


Forschung: Christoph Reigber, Department Geodäsie und Fernerkundung, GFZ Potsdam; Byron D. Tapley und John C. Ries, Center for Space Research, University of Texas, Austin; und andere

Veröffentlichung in Science, Vol. 305, pp 503-5

WWW:
GeoForschungsZentrum Potsdam
- GRACE
Das Geoid

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