10.8.2004, 17:30 Uhr
Forscher: Kinder und Jugendliche anfälliger für Prionen

Die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (vCJK) betrifft überwiegend junge Menschen. Grund ist nach Ansicht französischer Forscher nicht nur ein höherer Verzehr von Rindfleisch im Kindes- und Jugendlichenalter. Ihren Modellrechnungen zufolge scheint der Erreger in den ersten Lebensjahrzehnten besonders leicht in den Körper eindringen zu können.

Die Mediziner um Pierre-Yves Boëlle von der Université Pierre et Marie Curie, Paris, werteten Daten von 129 Briten aus, bei denen vor dem November 2001 vCJK ausgebrochen war. Die Krankheit gilt als menschliche Form des "Rinderwahnsinns" BSE und wird nach derzeitigem Wissensstand durch fehlerhaft gefaltete Proteine hervorgerufen, so genannte Prionen. Diese zwingen korrekt gefalteten Proteinen ihre pathologische Gestalt auf und führen so letztlich zum Absterben von Hirngewebe.

Erst kürzlich waren Daten zum Rindfleischkonsum der britischen Bevölkerung, aufgeschlüsselt nach Jahrgang und Geschlecht, veröffentlich worden. Auf Grundlage dieser Zahlen testeten Boëlle und seine Kollegen nun, wie gut unterschiedliche mathematische Modelle die Epidemie reproduzieren können. Gingen sie vom Rindfleischkonsum als alleinigen Risikofaktor aus, sollten rein rechnerisch 48 Prozent der Erkrankten älter als 40 Jahre sein. Tatsächlich gehören lediglich zehn Prozent der Betroffenen zu dieser Altersklasse, schreiben die Forscher im Fachblatt "BMC Infectious Diseases".

Deutlich besser waren Modelle, die zusätzlich eine altersabhängige Anfälligkeit für die Infektion beinhalteten. Die beste Übereinstimmung zwischen berechneter und tatsächlicher Altersverteilung der Betroffenen ergab sich für die Annahme, dass die Anfälligkeit zwischen dem fünften und fünfzehnten Lebensjahr ein Maximum erreicht und dann wieder sinkt. Die Ursache für die ungewöhnliche jugendliche Anfälligkeit ist unklar, so Boëlle und Kollegen. Möglicherweise spielten Veränderungen des Darm-Lymphsystems mit dem Alter eine Rolle.


Forschung: Pierre-Yves Boëlle und Alain-Jacques Valleron, INSERM U444, Assistance Publique Hôpitaux de Paris, Université Pierre et Marie Curie, Paris; Jean-Yves Cesbron, Immunité Anti-Infectieuse JE 2236, Université Joseph Fourier, Grenoble

Veröffentlicht in BMC Infectious Diseases, 4:26, DOI 10.1186/1741-2334-4-26

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BSE / CJK / vCJK

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