10.8.2004, 11:36 Uhr
Schützen anspruchsvolle Jobs vor Alzheimer?
Eine Verbindung zwischen dem Berufsleben und der Alzheimerschen Erkrankung haben amerikanische Mediziner entdeckt. Von der neurodegenerativen Krankheit betroffene Personen haben demnach in geistig relativ anspruchslosen Berufen gearbeitet. Die Frage nach Ursache und Wirkung ist jedoch offen.
"Es könnte sein, dass sich die Krankheit sehr früh auf die Fähigkeit eines Individuums auswirkt, eine mental anspruchsvolle Karriere einzuschlagen", erläutert Kathleen Smyth von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio. "Es ist aber auch denkbar, dass eine höhere geistige Beanspruchung zu einer erhöhten Aktivität der Gehirnzellen führt und so das Anlegen einer 'Reserve' an Gehirnzellen erlaubt, die den Effekten der Krankheit trotzen kann."
Smyth und ihre Kollegen studierten die Biographie von 122 Alzheimer-Patienten und 235 nicht erkrankten Personen jenseits des 60. Lebensjahrs. Vor allem interessierten sie der berufliche Werdegang und die geistige, körperliche oder soziale Beanspruchung auf der jeweiligen Stelle. Ab dem 30. Lebensjahr zeigte sich ein Zusammenhang zwischen geistiger Beanspruchung und dem Erkrankungsrisiko, berichten die Forscher im Fachblatt "Neurology". Die nicht erkrankten Personen hatten ab diesem Alter eher komplexe, vielfältige und abwechslungsreiche Tätigkeiten ausgeübt, die späteren Patienten dagegen eher körperlich anspruchsvolle, monotone Tätigkeiten.
Laut Smyth gibt es eine dritte Erklärungsmöglichkeit für die Resultate: "Anspruchsvollere Berufe könnten just jene Fähigkeiten voraussetzen, die zur Diagnose der Alzheimerschen Krankheit getestet werden. Sollte das der Fall sein, könnte die Krankheit bei diesen Personen längere Zeit unentdeckt verlaufen und erst in einem weiter fortgeschrittenen Stadium entdeckt werden." Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Hobbys wie Schach oder Lesen ebenfalls mit einem geringeren Erkrankungsrisiko einhergehen.
Forschung: Kathleen A. Smyth und Robert P. Friedland, Department of Epidemiology and Biostatistics und Department of Neurology, Case Western Reserve University School of Medicine, Cleveland, Ohio; und andere
Veröffentlicht in Neurology, Vol. 63, 10. August 2004, pp 498-503
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Morbus Alzheimer
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