13.10.2004, 11:35 Uhr
Homosexuell durch gute Mutter-Gene?
Homosexualität unter Männern könnte zum Teil auf besonders "gute" Mütter zurückgehen. Entsprechende Resultate präsentieren italienische Psychologen in den "Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences". Zwar haben homosexuelle Männer im Schnitt weniger Nachkommen als heterosexuelle Geschlechtsgenossen, eine erhöhte Fruchtbarkeit in der weiblichen Verwandtschaft macht diesen Malus jedoch mehr als wett.
Das gilt allerdings nur für den mütterlichen Ast des Familienstammbaums, berichten die Forscher um Francesca Corna von der Università di Padova. Auf dem väterlichen Ast sei keine höhere Fruchtbarkeit festzustellen. Dieses Resultat deute darauf hin, dass die verantwortlichen Gene auf dem X-Chromosom zu finden seien, dem einzigen von der Mutter vererbten Geschlechtschromosom.
Mehrere Studien haben Hinweise dafür geliefert, dass die Neigung zur Homosexualität nicht nur von der Umwelt, sondern auch von genetischen Faktoren abhängt. Als Argument gegen diese Ansicht wird mitunter angeführt, dass die entsprechenden Genvarianten die Nachkommenzahl und damit ihre eigene Weitergabe verringern würden. Auf lange Sicht sollten sie sich daher selbst aus einer Population eliminieren.
Corna und ihre Kollegen befragten nun rund 4.600 Verwandte von 98 homosexuellen und 100 heterosexuellen Männern. Die Mütter ersterer hatten im Schnitt 2,7 Kinder, die Mütter letzterer dagegen nur 2,3 Kinder. Die Tanten mütterlicherseits hatten durchschnittlich 2,0 und 1,5 Kinder. Selbst wenn Homosexualität zu einem genetischen Engpass in der männlichen Linie führen sollte, so die Forscher, würde dies durch mehr Nachkommen in der weiblichen Linie ausgeglichen. Allerdings könnten die noch nicht näher identifizierten, mütterlichen Genfaktoren die Häufigkeit männlicher Homosexualität schätzungsweise nur zu einem Siebtel erklären.
Forschung: Francesca Corna, Andrea Camperio Ciani und Claudio Capiluppi, Dipartimento di Psicologia Generale, Università di Padova
Online-Veröffentlichung Proceedings B
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Homepage der Arbeitsgruppe
Ein Gen für Homosexualität?
Homosexualität bei Tieren
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