14.10.2004, 20:02 Uhr
Ein Drittel aller Amphibien-Arten gefährdet

Ein dramatisches Bild zeichnet die erste Erfassung des globalen Amphibiensterbens. Fast ein Drittel aller bekannten Amphibienarten ist demnach in ihrem Bestand gefährdet, berichtet eine internationale Forschergruppe im Magazin "Science". Über ein weiteres Drittel gibt es nicht ausreichend Daten, um den Status einschätzen zu können.

Frösche, Kröten, Salamander und andere Amphibien sind stärker gefährdet als beispielsweise Vögel oder Säugetiere, haben Simon Stuart von der Naturschutzorganisation IUCN-World Conservation Union und seine Kollegen ermittelt. "Der rapide Rückgang zeigt uns, dass eines der bedeutendsten Lebenserhaltungs-Systeme der Erde versagt," so der Forscher. Amphibien mit ihrer dünnen Haut seien besonders anfällig für Störungen der Umwelt und könnten daher als eine Art Frühwarnsystem dienen.



Foto: David Moyer – Wildlife Conservation Society

Ende der 80er-Jahre bemerkten Herpetologen erstmals einen Rückgang der Amphibienbestände in zahlreichen Regionen der Welt. Im Rahmen des "Global Amphibian Assessment" analysierten Stuart und seine Kollegen nun Daten, die ihnen 500 Wissenschaftler aus 60 Ländern zur Verfügung gestellt hatten. Fast 2.500 der 5.743 bekannten Amphibienarten erfahren demnach einen Rückgang ihrer Bestände, 1.856 Arten (32 Prozent) müssen mindestens als gefährdet ("vulnerable") eingestuft werden.

Seit 1980 sind mit hoher Wahrscheinlichkeit neun Arten ausgestorben, weitere 113 wurden seitdem nicht mehr in freier Wildbahn gesichtet und sind möglicherweise ebenfalls verschwunden. Die Gründe für den weltweiten Rückgang sind unterschiedlich: Insbesondere in Nord- und Südamerika und in Australien werden viele Populationen von einem Pilz dezimiert. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Klimaveränderungen dem Krankheitserreger Tür und Tor geöffnet haben.

In Europa scheinen dagegen Zerstörungen der Amphibien-Lebensräume die Hauptrolle zu spielen, während in Südostasien viele Tiere im Kochtopf enden oder zu Heilmitteln verarbeitet werden. "Wir wussten bereits, dass die Amphibien in Schwierigkeiten stecken", so Stuarts Kollege Bruce Young, "aber diese Einschätzung lässt nun keinerlei Zweifel mehr am Maßstab des Problems."



Foto: Henk Wallays


Forschung: Simon N. Stuart, IUCN-SSC/CI-CABS Biodiversity Assessment Unit, Washington, D.C., und Robert W. Waller, Center for Applied Biodiversity Science, Conservation International, Washington, D.C.; und andere

Online-Veröffentlichtung Science Express, 14. Oktober 2004, DOI 10.1126/science.1103538

WWW:
Global Amphibian Assessment
IUCN-World Conservation Union
- The IUCN Red List of Threatened Species
Chytridiomycosis

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