21.9.2004, 12:30 Uhr
Ungenutzte Energie in Abwasser

Städtische Abwässer enthalten sehr viel mehr Energie, als zu ihrer Reinigung notwendig wäre. Das haben zwei kanadische Ingenieure ermittelt. Über 80 Prozent der in organischen Bestandteilen gebundenen chemischen Energie könnten demnach in das Stromnetz eingespeist werden - entsprechende Methoden zu ihrer Nutzung vorausgesetzt.

Ioannis Shizas und David Bagley von der University of Toronto nahmen Abwasserproben unmittelbar vor den Einlässen von vier Klärwerken der kanadischen Großstadt. Mittels der so genannten Bombenkalorimetrie ermittelten sie, welche Energiemenge bei der Verbrennung der in dem Wasser enthaltenen organischen Verbindungen freigesetzt würde.

Wie die Forscher im "Journal of Energy Engineering" schreiben, gehen allein in Toronto jährlich 990 Millionen Kilowattstunden Energie durch den Kanal verloren - entsprechend einer mittleren Leistung von 113 Megawatt. "Könnten wir ein Fünftel dieses Potenzials in Elektrizität umwandeln, könnten die Kläranlagen genügend Strom für ihren Betrieb erzeugen", erläutert Bagley.

Eine Möglichkeit, besonders viel Energie aus Abwasser zu gewinnen, sehen die beiden Forscher in der großangelegten Vergärung des Klärschlamms unter Sauerstoffabschluss. Das dabei von anaeroben Bakterien produzierte Methan weise einen hohen Energiegehalt auf. "Wir sehen einer Zukunft entgegen, in der Abwasser und auch andere Abfälle als Ressourcen gelten werden", ist Bagley überzeugt. "Wenn die Stromkosten steigen, wie das beispielsweise in Kalifornien geschehen ist, könnte Abwasser eine kosteneffektive und erneuerbare Energiequelle darstellen."


Forschung: Ioannis Shizas und David M. Bagley, Department of Civil Engineering, University of Toronto, Ontario

Veröffentlicht in Journal of Energy Engineering, Vol. 130(2), pp 45-53

WWW:
Homepage David Bagley
Virtuelle Klärwerksführung
Simulationsspiel "Klärwerk"

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Strom aus Abwasser

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