21.9.2004, 17:00 Uhr
Zugvögel sehen Magnetfelder
Seit über 30 Jahren ist bekannt, dass sich Zugvögel auf ihren oft Tausende Kilometer langen Wanderungen am Magnetfeld der Erde orientieren. Neue Hinweise auf die Funktionsweise dieses Magnetsinnes haben Oldenburger Biologen gefunden. Ihre Befunde sprechen dafür, dass Zugvögel das Erdmagnetfeld in Form von Helligkeitsunterschieden sehen.
Einige Forscher glauben, dass winzige Magnetpartikel Zugvögeln den Weg weisen. Solche molekularen Kompassnadeln aus Eisenmineralien sind beispielsweise von Bakterien bekannt. Eine Reihe von Studien lässt dagegen vermuten, dass Lichtrezeptoren in der Netzhaut der Vögel je nach ihrer Ausrichtung zum Erdmagnetfeld unterschiedlich gut auf blau-grünes Licht ansprechen. Tatsächlich scheinen Zugvögel das dafür nötige Instrumentarium zu besitzen, berichten Henrik Mouritsen und seine Kollegen von der Universität Oldenburg in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Als Rezeptoren mit geeigneten Eigenschaften werden Moleküle aus der Klasse der Cryptochrome diskutiert. Mouritsen und Kollegen entdeckten, dass in der Netzhaut von Gartengrasmücken (Sylvia borin) gleich zwei dieser Protein-Pigment-Komplexe vorkommen. Eines davon, CRY1, findet sich vorrangig in bestimmten Umschaltzellen der Retina, den "großen versetzten" Ganglienzellen. Eben dieser Zelltyp ist bei den nachtziehenden Vögeln in der Nacht besonders aktiv - zu jener Zeit also, in der sie sich magnetisch orientieren.
Zudem fanden die Forscher, dass sich die CRY1-Produktion in den Netzhäuten von Zug- und Standvögeln deutlich unterscheidet. Bei letzteren werden die Rezeptoren nachts kaum gebildet und in den Ganglienzellen kommen sie auch tagsüber nicht vor. Das nächtliche Auftreten von Cryptochromen scheint also eine Spezialisierung von Zugvögeln zu sein, schließen Mouritsen und Kollegen. Ihre Ergebnisse stützen damit die Hypothese, dass die Tiere nicht mit einem mineralischen, sondern mit einem chemischen Kompass navigieren.
Forschung: Henrik Mouritsen, AG Animal Navigation, und Reto Weiler, AG Neurobiology, Institut für Biologie und Umweltwissenschaften, Universität Oldenburg; und andere
Online-Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0405968101
WWW:
Homepage der Arbeitsgruppe Mouritsen
Der Magnetsinn
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