5.8.2004, 12:41 Uhr
Buntbarsche: Evolution in Zeitraffer

Evolutionsprozesse können mitunter in atemberaubendem Tempo ablaufen. Das zeigt das Beispiel von Buntbarschen in einem afrikanischen See. Eine vor kaum 40 Jahren ausgesetzte Art ist bereits auf dem besten Wege, sich in zwei neue Arten aufzuspalten, hat eine internationale Forschergruppe entdeckt.

Todd Streelman von der University of New Hampshire, Durham, und seine Kollegen studierten Buntbarsche der Art Cynotilapia afra im südostafrikanischen Nyasasee, auch als Malawisee bekannt. Ein Fischexporteur hatte in den 60er-Jahren versehentlich einige Individuen bei der Insel Thumbi West freigesetzt. Noch im Jahr 1983 hatten sich die Neuankömmlinge kaum ausgebreitet, ein völlig anderes Bild bot sich den Forschern jedoch im Jahr 2001.

Foto der Art: Kleiner, hell-/dunkelblau gestreifter Fisch mit gelbgrünlicher Rückenflosse

Auf dem Sprung: Cynotilapia afra. Foto: Georgia Institute of Technology

Nicht nur war die Art nun im gesamten Umkreis der Insel zu finden, berichten die Biologen im Fachblatt "Molecular Ecology". Die einst homogene Population hatte sich zudem in zwei Gruppen aufgespalten. In lediglich zwei Jahrzehnten war eine nördliche Population entstanden, die sich in Färbung und genetischen Markern deutlich von der Population im Süden der Insel unterschied. Gemessen an den zahlreichen Hybriden, scheint sich letztere häufig mit einer anderen Buntbarschart, Metriaclima zebra, einzulassen. Möglicherweise begünstige das relativ trübe Wasser am Südufer der Insel zwischenartliche Techtelmechtel, mutmaßen die Forscher.

"Dies ist ein großartiges Beispiel für den Ablauf einer durch Menschen ausgelösten Evolution", begeistert sich Streelman, mittlerweile am Georgia Institute of Technology in Atlanta. Zwar seien ähnliche Vorgänge bereits nach dem Verschleppen von Lachsen, Fliegen oder Pflanzen beobachtet worden. Die Buntbarsche im Nyasasee böten nun die Gelegenheit, die vollständige evolutionäre Entwicklung und die vielfältigen Einflussfaktoren zeitnah zu studieren. "Vielleicht werden wir es in 20 Jahren mit neuen Arten zu tun haben", so der Biologe.


Forschung: J. Todd Streelman und Thomas D. Kocher, Hubbard Center for Genome Studies, University of New Hampshire, Durham; und andere

Veröffentlicht in Molecular Ecology, Vol. 13(8), pp 2471-9, DOI 10.1111/j.1365-294X.2004.02240.x

WWW:
The Cichlids of Lake Malawi
Lake Malawi National Park

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