6.8.2004, 14:56 Uhr
Ringschatten beeinflusst Saturnwetter

Die Ringe des Saturn beeinflussen das Wetter auf dem Gasriesen. Darauf deuten neue Messungen der Raumsonde Cassini hin. Indem der Schatten der Ringe im Jahresverlauf über die Oberfläche des Planeten wandert, schafft er die Bedingungen für starke Sommergewitter und vergleichsweise harmlose Herbststürme.

Cassini zieht seit Anfang Juli ihre Bahn um den Saturn und hat seitdem Radiowellen aufgefangen, die auf Blitze in der Atmosphäre des Planeten zurückgehen. "Wir registrieren das gleiche Knistern und Knacken, das man bei einem Gewitter im AM-Radio hören kann", erläutert William Kurth von der University of Iowa, Iowa City. Bei ihren Vorbeiflügen Anfang der 80er-Jahre hatten die Voyager-Sonden ähnliche Radiosignale aufgefangen. Die neuen Stürme "unterscheiden sich jedoch deutlich von den vor 20 Jahren erfassten", so Kurth.

Diagramm der Radio-Pulse

Knistern und Knacken. Grafik: NASA/JPL/University of Iowa

Den Messungen Cassinis zufolge, treten die Blitze derzeit sehr unregelmäßig auf - an manchen Tagen registriert die Sonde keinerlei Radiopulse von Blitzen. Laut den Forschern spricht dies für einige möglicherweise kurzlebige Stürme in mittleren und hohen Breiten. Im Rahmen der Voyager-Mission war dagegen ein regelrechtes Radio-Gewitter belauscht worden, das von einem ausgedehnten und über mehrere Monate bestehenden Sturmsystem in der Nähe des Saturn-Äquators stammte.

Eine mögliche Erklärung sehen Kurth und seine Kollegen im unterschiedlichen Schattenwurf der Ringe. Anfang der 80er-Jahre sei der Ringschatten auf die Äquatorregion des Saturn gefallen und habe in der wärmsten Region der Atmosphäre eine schmale, bandförmige Region mit kühlen Temperaturen geschaffen. Der Kontrast zwischen diesen zwei Regionen könnte zu heftigen Turbulenzen und damit zu starken und langlebigen Stürmen geführt haben. Mittlerweile wende Saturn der Sonne seine südliche Hemisphäre zu, gleichzeitig falle der Ringschatten auf die nördliche Hemisphäre. Die wärmsten und kältesten Regionen lägen daher weit auseinander.


Forschung: William S. Kurth und Donald A. Gurnett, Department of Physics and Astronomy, University of Iowa, Iowa City; und andere

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