30.7.2004, 12:29 Uhr
Forscher enträtseln bewegte Mondreise

Herkunft und Biographie eines Mondmeteoriten hat eine internationale Forschergruppe erstmals aufklären können. Der Gesteinsbrocken stammt demnach aus dem Mare Imbrium, einem großen Einschlagbassin auf dem Erdtrabanten, und kann auf nicht weniger als fünf Einschläge zurückblicken - vier auf dem Mond plus seine eigene Ankunft auf der Erde.

Edwin Gnos von der Universität Bern und seine Kollegen hatten den Meteoriten Anfang 2002 im Oman gefunden. Die Analyse zeigte, dass der faustgroße Brocken mit der Bezeichnung Sayh al Uhaymir 169 zu einer ganz besonderen Gruppe von Mondgesteinen gehört. Diese KREEP-Gesteine zeichnen sich durch hohe Gehalte an Kalium, Seltenen Erden (rare earth elements) und Phosphor aus und wurden bislang nur im Bereich des Mare Imbrium entdeckt. Der Abgleich mit Daten mehrerer Mondsonden deutet auf den Krater Lalande bzw. dessen nähere Umgebung als Herkunftsort hin.

Fotos des Meteoriten in situ und im Querschnitt

Sayh al Uhaymir 169. Fotos: Copyright Science

Bestehend aus einer mehrfach geschockten Gesteinsmasse samt angeschweißtem Material, hat der 206 Gramm schwere Meteorit eine bewegte Vergangenheit hinter sich, berichten die Forscher im Magazin "Science". Kleine Zirkon-Mineralkörnchen belegen, dass sich der Hauptteil des Gesteins vor 3.9 Milliarden Jahren formte. Damals schlug ein großer Asteroid auf dem Mond ein und schuf das rund 1.200 Kilometer weite Imbrium-Becken. Gesteinbruchstücke und geschmolzenes Gestein wurden vermischt und erstarrten beim Abkühlen zu einer so genannten Schmelzbrekzie.

Etwa 1,1 Milliarden Jahre später schuf ein weiterer Einschlag den 25 Kilometer weiten Krater Lalande. Das Material von SaU 169 wurde dabei mit Fragmenten anderer Gesteine und mit Regolith, lockerem Material von der Mondoberfläche, verbacken - ähnliches widerfuhr ihm bei einem dritten Impakt vor etwa 200 Millionen Jahren. Diese Ereignisse transportierten das Material des künftigen Meteoriten immer näher an die Oberfläche. Vor höchstens 340.000 Jahren wurde es dann bei einem erneuten Einschlag ins All geschleudert und ging vor knapp 10.000 Jahren im heutigen Oman nieder.


Forschung: Edwin Gnos, Institut für Geologie, Universität Bern; A.J. Timothy Jull, NSF-Arizona Accelerator Mass Spectrometry Laboratory, University of Arizona, Tucson; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 305, 30. Juli 2004, pp 657-9

WWW:
Sayh al Uhaymir 169
The Moon

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: