29.10.2004, 13:25 Uhr
Nikotin hat Helfershelfer

Für die Suchtwirkung von Tabakrauch ist Nikotin nicht allein verantwortlich. Das zeigen Versuche amerikanischer Pharmakologen und Mediziner. Ratten entwickeln demnach ein deutlich stärkeres Verlangen nach Nikotin, wenn ihnen mit jeder Dosis auch Acetaldehyd, ein weiterer Bestandteil des Rauchs, verabreicht wird. Ihre Resultate präsentieren die Wissenschaftler im Fachblatt "Neuropsychopharmacology".

"Tabak weist eine der höchsten Abhängigkeits- und Rückfallraten aller Drogen auf", schreiben die Forscher um James Belluzzi von der University of California, Irvine. Paradoxerweise erweise sich Nikotin in Tiermodellen aber als relativ schwaches Suchtmittel. Die neuen Resultate zeigten, dass bei entsprechenden Studien "auch die Wechselwirkungen zwischen Nikotin und anderen Rauchbestandteilen berücksichtigt werden sollten".

Die Forscher implantierten Ratten Venenkatheter, über die sich die Tiere per Nasendruck selbsttätig eine Lösung injizieren konnten. Enthielt diese Lösung Nikotin und Acetaldehyd, lernten die Tiere das Prozedere sehr rasch. Deutlich langsamer verlief der Lernprozess, wenn die Lösung entweder Nikotin oder Acetaldehyd oder keine der Substanzen enthielt.

Zudem zeigte sich, dass junge Ratten stärker auf die Suchtmittel ansprachen als ausgewachsene Tiere. Bei Kontrollversuchen mit Kokain zeigten sich dagegen keine altersabhängigen Unterschiede. Acetaldehyd (Ethanal) sei nur eine von rund 4.000 im Tabakrauch enthaltenen Verbindungen, betont Belluzzi. "Zudem gibt es Belege dafür, dass Acetaldehyd auch eine Rolle bei der Alkoholabhängigkeit spielt."


Forschung: James D. Belluzzi, Ruihua Wang und Frances M. Leslie, Department of Pharmacology, College of Medicine, und Transdisciplinary Tobacco Use Research Center, University of California, Irvine


Online-Veröffentlichung in Neuropsychopharmacology, DOI 10.1038/sj.npp-1300586

WWW:
Transdisciplinary Tobacco Use Research Center, UC Irvine
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