5.5.2006, 17:05 Uhr
Weniger Photosynthese durch Drei-Schluchten-Damm?

Der chinesische Drei-Schluchten-Staudamm unterbindet den Nährstoffeintrag in das Ostchinesische Meer. Das berichtet eine taiwanesisch-amerikanische Forschergruppe im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Seit Beginn der Flutung der Talsperre im Jangtsekiang ist die Produktivität des Meeresplanktons demnach um beinahe 90 Prozent zurückgegangen.

"Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass das Ökosystem Ostchinesisches Meer empfindlich auf Veränderungen in der Nährstoffzufuhr reagiert, wie sie das Staudammprojekt verursacht", schreiben die Forscher um Gwo-Ching Gong von der National Taiwan Ocean University, Keelung.

Im Jahre 1994 hatte China mit dem Bau des über zwei Kilometer langen Staudamms und im Juni 2003 mit der Teilflutung des Sees begonnen. Das Projekt soll nicht nur Strom liefern und die Versorgung trockener Regionen mit Süßwasser gewährleisten, sondern auch die Schifffahrt auf dem längsten Strom Asiens erleichtern. Von Anfang an haben Kritiker auf die ökologischen und sozialen Folgen verwiesen, wie sie von anderen Staudammprojekten bekannt sind.

Gong und Kollegen analysierten nun Messdaten, die sie im Rahmen des Forschungsprojekts LORECS (Long-term Observation and Research of the East China Sea) gewonnen hatten. Von 1998 bis 2004 ist das vor allem für Kieselalgen wichtige Konzentrationsverhältnis im Meer vor der Flussmündung demnach von 1,5 auf 0,4 gesunken, gleichzeitig sank die Sedimentmenge in einigen Gebieten um bis zu 50 Prozent. Im gleichen Zeitraum ging auch die Primärproduktion des Phytoplanktons in den Hochwasserperioden um 86 Prozent zurück, berichten die Forscher. Von der Photosynthese des Planktons hängen letztlich die Bestände von Fischen und anderen Meeresbewohnern ab.


Forschung: Gwo-Ching Gong und Chin-Chang Hung, Institute of Marine Environmental Chemistry and Ecology, National Taiwan Ocean University, Keelung; Shui-Wang Duan, Department of Marine Science, Texas A&M University, Galveston; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 33, L07610, DOI 10.1029/2005GL025800

WWW:
Institute of Marine Environmental Chemistry and Ecology, NTOU
Phytoplankton
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