5.5.2006, 10:52 Uhr
Jupiters kleiner roter Fleck

Zusätzlich zu seinem großen roten Fleck entwickelt Jupiter seit einiger Zeit einen kleinen roten Fleck. Die bislang detailreichsten Aufnahmen dieses Gebildes hat jetzt das Weltraumteleskop Hubble geliefert. Demnach handelt es sich bei dem kleinen Fleck ebenfalls um einen imposanten Wirbel, der möglicherweise wie ein Aufzug in der Atmosphäre des Gasriesen arbeitet.

Das Oval BA, so die formelle Bezeichnung des kleinen roten Flecks, liegt wie sein größeres Pendant inmitten der pastellfarbenen Wolkenbänder auf der Südhalbkugel des Jupiter. Zwar ist der kleine Fleck nur etwa halb so groß wie sein Vetter, könnte jedoch immer noch die Erde umfassen. Hervorgegangen ist er aus drei weißen Ovalen, die Astronomen seit vielen Jahrzehnten bekannt waren und Ende der 90er-Jahre verschmolzen.

Hubbleaufnahme zeigt den kleinen roten Fleck als Wirbel, Wölkchen, Wolkenbänder

Jupiter kleiner roter Fleck, am rechten Bildrand ein Teil seines größeren Pendants. Bild: NASA, ESA, A. Simon-Miller (NASA/GSFC), and I. de Pater (University of California Berkeley)

Zunächst ebenfalls weiß, hat der kleine Fleck seit Ende letzten Jahres eine bräunliche und dann eine rötliche Farbe ähnlich der seines Vetters angenommen. Um mehr über dieses Phänomen zu erfahren, nahmen Amy Simon-Miller vom Goddard Space Flight Center der NASA das Gebilde im sichtbaren und infraroten Bereich des Spektrums unter die Lupe. Demnach birgt der Wirbel in seinem Zentrum nicht nur kleine helle Wolken, er scheint sich auch viele Kilometer über die Atmosphäre des Jupiter zu erheben.

Nach Ansicht der Forscher stehen diese Befunde im Einklang mit der Theorie, dass in dem gewaltigen Wirbel helles Material aus tieferen Atmosphärenschichten emporgefördert wird und sich erst unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung rot färbt.

Einer der beteiligten Forscher, Philip Marcus von der University of California in Berkeley, hält die Entwicklung der weißen Ovale zu dem kleinen roten Fleck für Teil einer zyklischen Veränderung der Strömungsverhältnisse in der Jupiteratmosphäre. Seiner Theorie zufolge, könnten die meisten Wirbel in den nächsten Jahren verschwinden und gleichzeitig die Temperaturen in den polaren Breiten des Gasriesen deutlich sinken.


Forschung: Amy Simon-Miller, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland; Imke de Pater und Philip Marcus, Astronomy Department und Department of Mechanical Engineering, University of California, Berkeley; Christopher Go, Astronomical League of the Philippines; und andere

WWW:
Planetary Systems Branch, Goddard Space Flight Center
Computational Fluid Dynamics Lab, UC Berkeley
Red Spot Jr.
Jupiter
Hubble

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Jupiter als wolkiger Sonnenspiegel
Irdische Ozeane ähneln Jupiteratmosphäre

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: