2.5.2006, 14:01 Uhr
Gute Navigatoren haben die Karte im Kopf

Nicht nur im Märchen von Hänsel und Gretel, auch im Alltag müssen sich Menschen immer wieder in fremden Umgebungen zurechtfinden. Wie gut ihnen das gelingt, wird zum großen Teil von einer "inneren Landkarte" bestimmt, haben amerikanische Forscherinnen ermittelt. Dank dieser Karte kommen gute Navigatoren auch dann rasch ans Ziel, wenn sie kaum etwas sehen.

Umgekehrt verlassen sich schlechte Navigatoren überwiegend auf ihre momentane Sicht der Umgebung, berichtet die Gruppe um Francesca Fortenbaugh und Kathleen Turano von der Johns Hopkins University, Baltimore, im "Journal of Vision Research". Die neuen Resultate können ihrer Ansicht nach helfen, Menschen mit Sehstörungen das Leben zu erleichtern.

Die Forscherinnen versetzten 14 Männer und Frauen mit einem Virtual-Reality-Helm in einen per Computer generierten Wald. Darin sollten die Probanden möglichst rasch zu einem farblich markierten Baum finden. Ihr Gesichtsfeld wurde dabei auf 40, 20 bzw. 10 Grad eingeschränkt, um den Einfluss externer Reize auf die Navigationsfähigkeit zu untersuchen. Normalerweise haben Menschen ein Gesichtsfeld von knapp 180 Grad, können also Objekte links und rechts des Kopfes gerade noch wahrnehmen.

Gemäß ihrer Leistungen wurden die Probanden als gute bzw. schlechte Navigatoren eingestuft. Nach dem Ertönen des Startsignals liefen erstere sehr viel schneller los und hielten seltener inne als letztere, zudem erreichten sie das Ziel schneller und auf einem kürzeren Weg. Noch bemerkenswerter war allerdings, dass sich ihre Leistungen mit zunehmendem Tunnelblick kaum verschlechterten - ganz im Gegensatz zu den schlechten Navigatoren, die mitunter den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen schienen.


Forschung: Francesca C. Fortenbaugh, John C. Hicks, Lei Hao und Kathleen A. Turano, Lions Vision Center, Wilmer Eye Institute, Johns Hopkins University, Baltimore, Maryland

Veröffentlicht in Journal of Vision Research, Vol. 6(5), pp 565-79, DOI 10.1167/6.5.3

WWW:
Turano Lab
Navigation-related structural change in the hippocampi of taxi drivers

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