27.4.2006, 18:15 Uhr
Resonanzknochen bei Klippschliefern?
Wer zum ersten Mal Klippschliefer sieht, fühlt sich an übergroße Meerschweinchen mit spitzer Schnauze erinnert. Noch etwas merkwürdiger könnten die Tiere vor gut 35 Millionen Jahren ausgesehen haben, glauben amerikanische und ägyptische Forscher. Bei einigen Arten besaßen die Männchen regelrecht aufgeblasene Unterkiefer, die möglicherweise als Resonanzboden zur Lauterzeugung dienten.
In diesem Falle hätten die Klippschliefer (Hyracoidea) die einzige Säugetierordnung mit einer derartigen Skelettspezialisierung gestellt, erläutert Elwyn Simons von der Duke University in Durham. Vergleichbare Strukturen würden beispielsweise bei Dinosauriern vermutet.
Prof. Simons begutachtet einen fossilen Kieferknochen. Foto: Megan Morr, Duke University
Simons und seine Kollegen studierten Fossilien der ausgestorbenen Gattung Thyrohyrax, die sie im Südwesten Ägyptens gefunden hatten. Bereits früher waren bei dieser Gattung Öffnungen auf der Innenseite des Unterkiefers aufgefallen, die in großen Hohlräume mündeten. Bei der Analyse hunderter Fossilien stellten die Forscher nun fest, dass nur die Hälfte der Kiefer diese rätselhaften Strukturen aufwies.
"Dies bedeutet, dass nur ein Geschlecht dieses Merkmal besaß", erläutert Simons' Kollege Donald DeBlieux vom Utah Geological Survey. Da in den "aufgeblasenen" Unterkiefern auch relativ große Schneidezähne steckten, vermuten die Forscher, dass sie zu männlichen Tieren gehörten.
Aufgrund der neuen Befunde sei es unwahrscheinlich, dass die Hohlräume große Speicheldrüsen beherbergt hätten, so Simons weiter. Vielmehr sei es denkbar, dass sie als Resonanzboden dienten, mit deren Hilfe die Männchen Balzlaute produzierten. Diese Idee wollen die Forscher nun an Modellen der seltsamen Kiefer testen.
Forschung: Donald D. DeBlieux, Utah Geological Survey, Salt Lake City; Elwyn L. Simons, Division of Fossil Primates, Duke University Primate Center, Durham, North Carolina; Yousry S. Attia, Egyptian Geological Survey and Mining Authority, Kairo; und andere
Veröffentlicht in Journal of Vertebrate Paleontology, Vol. 26(1), pp 160-9
WWW:
Homepage Elwyn Simons
Utah Geological Survey
Hyraxes
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