3.4.2006, 15:13 Uhr
Angstgeruch macht wachsam

Menschen können die Nervosität anderer förmlich riechen, lassen Experimente amerikanischer Psychologinnen vermuten. Gaben sie ihren Probandinnen "Angstschweiß" zu schnuppern, erkannten diese bedrohliche Zusammenhänge deutlich zuverlässiger und schienen im Zweifelsfall besonders sorgsam abzuwägen.

"Wenn sie Stress oder Angst erfahren, produzieren Tiere chemische Warnsignale, die bei anderen Veränderungen von Verhalten, Hormonhaushalt und Immunsystem auslösen können", erläutert Denise Chen von der Rice University in Houston. Die neuen Resultate zeigten, dass dies auch auf Menschen zutreffe.

Chen und ihre Kolleginnen sammelten Proben von Angstschweiß und neutralem Schweiß, indem sie Freiwilligen Wattepolster unter die Achseln steckten und ihnen einen Horrorfilm oder eine nüchterne Dokumentation zeigten. Stückchen der Wattepolster hefteten sie dann 75 jungen Studentinnen an die Oberlippe und ließen sie einen Assoziationstest absolvieren. Dabei galt es zu erkennen, ob zwischen je zwei Wörtern ein Zusammenhang bestand oder nicht.

Bewusst nahmen die Teilnehmerinnen keinen Unterschied zwischen den beiden Schweißtypen wahr. Stieg ihnen Angstschweiß in die Nase, waren ihre Entscheidungen im Falle bedrohlicher Wortpaare allerdings zu 85 Prozent korrekt, berichten Chen und Kolleginnen im Fachblatt "Chemical Senses". Die Gruppen mit neutralem Schweiß oder schweißfreien Polsterstücken brachten es nur auf 80 Prozent.

Bestanden die Wortpaare aus einem bedrohlichen und einem neutralen Wort, erhöhte der Geruch von Angstschweiß die Reaktionsdauer dagegen um bis zu 16 Prozent. Chen vermutet daher, dass der Schweiß der beunruhigten Freiwilligen Verbindungen enthielt, die die Wachsamkeit der Versuchsteilnehmerinnen steigerten.


Forschung: Denise Chen, Ameeta Katdare und Nadia Lucas, Psychology Department, Rice University, Houston, Texas

Veröffentlichung Chemical Senses, DOI 10.1093/chemse/bjj046

WWW:
Homepage Denise Chen
Riechen - Von der Nase bis ins Hirn
Körperdüfte

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