5.4.2006, 8:12 Uhr
Warum der Merkur klein blieb

In der turbulenten Frühzeit des Sonnensystems konnte ein junger Planet rasch an Masse verlieren oder gewinnen. Für dieses Szenario sprechen umfangreiche Computersimulationen schweizerischer Astrophysiker. Indem ein großes Objekt mit dem Merkur kollidierte, könnten mehrere Billionen Tonnen Trümmermasse auf der Erde niedergegangen sein.

"Die ungewöhnlich hohe Dichte des Merkur lässt vermuten, dass der Planet sehr viel mehr Metall enthält, als man aufgrund seiner Größe erwarten sollte", erklärt Anthony Horner von der Universität Bern. Zwar werde gemeinhin ein Riesenimpakt als Ursache für diese Eigenheit angesehen. Bislang sei jedoch unklar gewesen, warum nur geringe Teile des abgesprengten Materials wieder auf den Planeten gefallen seien.

Drei Ausschnitte aus den Computersimulationen: Ein großes Objekt trifft Merkur, dabei  wird reichlich Material aus den äußeren Schichten abgesprengt

Ausschnitte aus den Computersimulationen: Bei der Kollision zwischen dem "Ur-Merkur" und einem anderen Objekt wird überwiegend silikathaltiges Mantelmaterial (blau) abgesprengt, zurück bleibt eisenhaltiges Kernmaterial (rot). Grafiken: Copyright Horner et al., 2006"

Um diese Frage zu klären, simulierten Horner und Kollegen mit einem Computermodell die Kollision von Protoplanet und Einschlagkörper bei unterschiedlichen Ausgangsbedingungen. Den Werdegang der resultierenden Wolke kleiner Trümmerteilchen - entstanden aus geschmolzenem oder verdampftem Material - verfolgten sie dann mit einem zweiten Modell. Die Resultate präsentiert der Forscher jetzt auf dem National Astronomy Meeting im englischen Leicester.

Würde allein die Gravitation auf die Trümmerteilchen wirken, hätte sich binnen vier Millionen Jahren die Hälfte davon wieder auf dem Merkur absetzen sollen. Der Strahlungsdruck der Sonne und weitere Effekte sorgten jedoch dafür, dass die meisten Partikel in die Sonne stürzten oder aus dem Sonnensystem katapultiert wurden, fanden die Forscher. Einen kleinen Teil des Materials könnte es auch zu Venus und Erde verschlagen haben. Die Masse der Erde - selbst arg gebeutelt durch einen Einschlag, bei dem der Mond entstand - könnte so um bis zu 16 Billionen Tonnen gewachsen sein.


Forschung: Jonathan Anthony Horner, Augustin Anic und James A. Whitby, Theoretische Astrophysik und Planetologie, Physikalisches Institut der Universität Bern

Präsentation auf dem National Astronomy Meeting, Leicester; #J.7

WWW:
Theoretische Astrophysik und Planetologie, Universität Bern
Mercury
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