6.4.2006, 15:13 Uhr
Norwegen droht Gletscherverlust

Der Klimawandel könnte Norwegen fast all seiner Gletscher berauben, befürchten norwegische Forscher. Im Laufe der nächsten hundert Jahre könnten demnach rund 1.600 Gletscher vollständig abschmelzen, lediglich 28 größere Gletscher würden überdauern.

"Das ist noch dramatischer, als wir bislang angenommen hatten", erklärt Atle Nesje vom Bjerknes-Zentrum für Klimaforschung an der Universität Bergen. Der Forscher und seine Kollegen stützen sich auf Berechnungen, die sie im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms RegClim durchgeführt haben. Demnach wird die durchschnittliche Temperatur in den Sommermonaten in Norwegen um 2,3 Grad Celsius steigen.

Foto: Gletscher, bläuliche Eiszunge auf grauem Fels

Der Briksdalsbreen lockt alljährlich viele tausend Touristen an. Foto: Knut Erik Nesje

Als Folge könnte das Land letztlich ein Drittel seiner Eisfläche bzw. seines Eisvolumens verlieren, so die Forscher. Erstes Zeichen dieses Prozesses wäre eine veränderte Wasserführung der Flüsse, da sich diese nicht nur aus Niederschlägen, sondern ganzjährig auch aus Gletscher-Schmelzwasser speisten. Davon betroffen wären so bedeutende Sektoren wie Tourismus, Energiegewinnung, Fischerei und Landwirtschaft.

"Darüber hinaus ist eine gleichmäßige Wasserführung für eine stabile Umwelt in unseren Fjorden absolut unerlässlich", betont Nesje. Die meisten der heutigen Gletscher existierten schon seit mehreren tausend Jahren und die Lebensgemeinschaften in Flüssen und Fjorden reagierten sehr empfindlich auf Veränderungen. "Wir werden erleben, dass viele Arten aussterben, während sich neue entwickeln", so der Forscher.


Forschung: Atle Nesje, Jostein Bakke, Øyvind Lie und Svein Olaf Dahl, Institutt for geovitenskap und Bjerknessenteret for klimaforskning, Universitetet i Bergen

Veröffentlichung Cicerone, 1/2006, pp 22-4

WWW:
Bjerknessenteret for klimaforskning
RegClim
Intergovernmental Panel on Climate Change
Gletscher und Eisschilde

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