4.4.2006, 12:19 Uhr
Wo Männer und Frauen Stress erwarten
Selbst im Ruhezustand weisen die Gehirne von Männern und Frauen unterschiedliche Aktivitätsmuster auf, haben amerikanische Neurowissenschaftler beobachtet. Je nach Geschlecht scheint Bedrohungen signalisierende Information mit unterschiedlicher Schlagseite verarbeitet zu werden, berichtet die Gruppe im Fachblatt "NeuroImage".
"Das Besondere an unseren Beobachtungen ist, dass sie die ersten Hinweise auf eine möglicherweise grundsätzlich unterschiedliche Verdrahtung der Gehirne von Männern und Frauen liefern", erklärt Larry Cahill von der University of California in Irvine. Seiner Ansicht nach könnte dies auch verstehen helfen, warum einige psychiatrische Erkrankungen bei Männern und Frauen unterschiedlich häufig auftreten.
Per Positronen-Emissionstomographie kartierten Cahill und Kollegen die Gehirnaktivität von je 36 gesunden, rechtshändigen Männern und Frauen, während diese sich möglichst entspannten. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf die Mandelkerne, zwei an der Verarbeitung von emotional geprägter Information beteiligte Hirnregionen.
Bei Männern scheint demnach der Mandelkern in der rechten Gehirnhälfte stärker mit anderen Gehirnarealen zu kommunizieren, insbesondere der Sehrinde und dem an der Bewegungskontrolle beteiligten Striatum. Bei Frauen weist dagegen der linke Mandelkern die stärkere Verknüpfung auf - etwa mit der Insula und dem Hypothalamus, zwei eher mit dem inneren Milieu des Körpers befassten Regionen.
Nach Ansicht Cahills deuten die Resultate darauf hin, dass das männliche Gehirn stärker auf externe Reize ausgelegt ist, während das weibliche eher in den Körper hinein lauscht. "Im Laufe der Evolution mussten Frauen mit internen Stressfaktoren wie etwa der Geburt zurechtkommen, die Männer nicht erfahren haben", so der Forscher. "Faszinierenderweise scheint sich das Gehirn an diese unterschiedlichen Stressoren angepasst zu haben."
Forschung: Lisa A. Kilpatrick und Larry F. Cahill, Center for the Neurobiology of Learning and Memory und Department of Neurobiology and Behavior, University of California, Irvine; und andere
Veröffentlicht in NeuroImage, Vol. 30(2), pp 452-61, DOI 10.1016/j.neuroimage.2005.09.065
WWW:
Center for the Neurobiology of Learning and Memory, UC Irvine
The Amygdala and Its Allies
Brain Explorer
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