15.2.2006, 19:00 Uhr
Gefräßige Kröte macht immer längere Sätze

Seit einigen Jahrzehnten breiten sich ebenso imposante wie gefräßige Kröten im Norden Australiens aus. Als wäre die Bekämpfung dieser Plage nicht schon schwierig genug, entwickeln die Tiere auch immer längere Beine, berichten australische Biologen im Magazin "Nature". Konsequenz ist, dass die Kröten heute um ein Vielfaches schneller vorankommen als noch vor 60 Jahren.

"Die Katastrophe scheint auf dem besten Wege, zu einem ökologischen Alptraum zu werden", schreiben Richard Shine und seine Gruppe von der University of Sydney. Die Entwicklung verdeutliche, dass Naturschützer stets die Möglichkeit einer raschen Anpassung auf Seiten einer eingeschleppten Art bedenken und umso schneller handeln müssten.

Shine und Kollegen studierten die 1935 in Australien ausgesetzte Agakröte (Bufo marinus). Ihre Messungen zeigten, dass Tiere mit längeren Beinen auch über längere Zeiträume besonders schnell vorankommen und die Vorhut an der Invasionsfront der Art dementsprechend längere Beine aufweist als die Nachzügler. Individuen mit langen Beinen paaren sich so bevorzugt untereinander. Als Folge dieser "räumlichen Selektion" breitet sich die Art heute mit über 50 Kilometern pro Jahr aus, während sie noch in den 40er-Jahren nur zehn Kilometer pro Jahr schaffte.

Die Agakröte war trotz Warnungen von Biologen im Bundesstaat Queensland ausgesetzt worden, um Schädlinge in Zuckerrohrplantagen im Zaum zu halten. Stattdessen machten sich die teils über 20 Zentimeter langen und 2 Kilogramm schweren Tiere über die einheimische Fauna her. Da sie giftig und für viele potenzielle Fressfeinde schlicht zu groß sind, konnten sie sich stark vermehren und mittlerweile auch in benachbarte Bundesstaaten vorstoßen.


Forschung: Benjamin L. Phillips, Gregory P. Brown, Jonathan K. Webb und Richard Shine, School of Biological Sciences, University of Sydney, New South Wales

Veröffentlichung Nature, Vol. 439, 16. Februar 2006, p 803, DOI 10.1038/439803a

WWW:
Shine Lab
Cane Toads

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