21.2.2006, 18:11 Uhr
Gene verbinden, Namen auch

Männer mit gleichen Nachnamen tragen häufig auch ähnliche Gene. Das bestätigt eine Untersuchung britischer Genetiker und Historiker. Pickt man sich aus den britischen Wählerverzeichnissen zwei Namensvetter heraus, sind diese in 24 Prozent der Fälle relativ eng miteinander verwandt.

Das ist umso häufiger der Fall, je seltener der Nachname ist, berichtet die Gruppe um Mark Jobling von der University of Leicester im Fachblatt "Current Biology". Das Phänomen lässt sich ihrer Ansicht nach nicht nur für die Aufklärung von Familienstammbäumen nutzen. Am Tatort eines Verbrechens gefundene DNA könnte durchaus helfen, den Kreis der Verdächtigen einzuengen.

Karten: Häufigkeit von Nachnamen in Großbritannien

Grafik: Jobling et al./Current Biology

Per Zeitungsanzeigen rekrutierten Jobling und Kollegen 150 englische, schottische und walisische Männer, deren väterliche Abstammungslinie seit mindestens zwei Generationen den gleichen, nicht allzu seltenen Familiennamen trug. Zu diesen Männern suchten sie aus den britischen Wählerlisten je einen Namensvetter heraus und fahndeten nach Sequenzvarianten auf den vom Vater geerbten Y-Chromosomen. Dabei fanden sich deutlich weniger Unterschiede als rein statistisch zu erwarten.

In 7 von 15 Paaren mit häufigen Nachnamen wie "Smith" schienen die Männer relativ eng miteinander verwandt zu sein. In Paaren mit seltenen Namen wie "Rivis" bestand sogar in 14 von 15 Fällen eine enge Y-chromosomale Verwandtschaft. Insgesamt schienen 24 Prozent der allein aufgrund ihrer Nachnamen kombinierten Männer in den letzten 700 Jahren einen gemeinsamen Vorfahr gehabt zu haben.

Umgekehrt konnte im Falle der 80 weniger gebräuchlichen Nachnamen allein anhand des DNA-Profils jeder dritte Mann seinem Namensvetter zugeordnet werden. Eine entsprechende Datenbank für ganz Großbritannien müsste etwa 39.000 Familiennamen und die entsprechenden DNA-Profile enthalten, so Jobling und Kollegen. Mit Hilfe dieser Information könnten jährlich etwa 70 Vergewaltigungs- und Mordfälle aufgeklärt werden, schätzen die Forscher.


Forschung: Turi E. King, Stéphane J. Ballereau und Mark A. Jobling, Department of Genetics, University of Leicester, Leicester, und Kevin E. Schürer, Department of History, University of Essex, Colchester

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 16(4), pp 384-8, DOI 10.1016/j.cub.2005.12.048

WWW:
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