26.5.2006, 14:39 Uhr
Dynamisches Parfum hält länger

Der Duft eines Parfums ist nach dem Auftragen sehr intensiv, lässt jedoch rasch nach. Weniger steil verläuft die Duftkurve von "dynamischen Parfums", die schweizerische und französische Chemiker ersonnen haben. Sie setzen immer nur soviel Duftstoff frei, wie tatsächlich benötigt wird, und halten daher deutlich länger.

Andreas Herrmann vom Genfer Unternehmen Firmenich und seine Kollegen erreichen diesen Depoteffekt, indem sie den eigentlichen Duftstoff mit einer anderen Verbindung reagieren lassen. Die Reaktion verläuft relativ schnell, während das Reaktionsprodukt nur langsam wieder in den Duftstoff und seine "Anstandsdame" zerfällt.

Der Großteil des Duftstoffs liegt daher stets in gebundener Form vor und ist vor allzu rascher Verflüchtigung geschützt. Dieses Prinzip bringe einen weiteren Vorteil mit sich, schreiben die Forscher im Fachblatt "Chemical Communications": Viele Duftstoffe seien instabil und zerfielen rasch, bevor sie ihre Wirkung entfalten könnten. Mit ähnlichen Widrigkeiten hätten auch pharmazeutische Wirkstoffe und Agrochemikalien zu kämpfen.

Herrmann und Kollegen testeten ihr Konzept an der Verbindungsklasse der Aldehyde und Ketone, die neben Vanillin und Zimtaldehyd eine Vielzahl von Duftstoffen stellt. Ihre Testsubstanzen ließen die Forscher mit Hydrazinen reagieren und tränkten dann einen Baumwolllappen mit der Reaktionslösung. In dem die Reaktionsprodukte allmählich wieder zerfielen, setzte der Lappen nach dem Eintrocknen über Stunden bis zu zwanzigmal mehr Duftstoff frei als ein Lappen, der mit einer reinen Duftstofflösung behandelt worden war.


Forschung: Barbara Levrand und Andreas Herrmann, Division Recherche et Développement, Firmenich SA, Genf; Yves Ruff und Jean-Marie Lehn, Institut de Science et d'Ingénierie Supramoléculaires, Université Louis Pasteur, Strasbourg

Veröffentlichung Chemical Communications, DOI 10.1039/b602312f

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Firmenich
ISIS, ULP Strasbourg
Chemische Gleichgewichte und Massenwirkungsgesetz
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