24.5.2006, 15:57 Uhr
Eine Delle im Sonnensystem

Der Einflussbereich der Sonne ist weniger regelmäßig geformt als bislang angenommen. Das zeigen Messungen der beiden Voyager-Sonden, die amerikanische Forscher jetzt auf einer Fachtagung in Baltimore vorstellten. Demnach macht sich der interstellare "Gegenwind" südlich der Ebene der Planeten sehr viel früher bemerkbar als nördlich davon.

Voyager 1 hatte diese Stoßfront bereits vor über einem Jahr erreicht. Damals war die Sonde auf 34 Grad nördlicher Breite etwa 14 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt - entsprechend 94 Astronomischen Einheiten, dem 94fachen des mittleren Erdbahnradius. Ihre Schwester Voyager 2 dringt nun ebenfalls in diese Region vor, obwohl sie auf 26 Grad südlicher Breite nur etwa 86 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt ist.

Grafik: Dreidimensionale Ansicht des Sonnensystems von außen, seine zwei 'Pellen', die Stoßfront und die Heliopause, teilweise geöffnet, um den Blick auf Sonne und Planeten freizugeben; Flugbahnen der beiden Voyager-Sonden

Die Daten der Voyager-Sonden zeigen, dass die Stoßfront weniger kugelrund ist als auf diesem Bild dargestellt. Grafik: Courtesy NASA/JPL-Caltech

Als Stoßfront oder "Termination Shock" bezeichnen Astronomen jene Region, in der die Teilchen des Sonnenwindes durch den interstellaren Wind stark abgebremst werden. Wo genau dies geschieht, hängt auch von der Stärke des interstellaren Magnetfelds ab. Eben hier vermuten Edward Stone vom California Institute of Technology und seine Kollegen die Ursache der Asymmetrie: "Das Magnetfeld da draußen hat Schlaglöcher und Buckel", formuliert Stone, der verantwortliche Projektwissenschaftler.

Beide Sonden waren im Jahr 1977 gestartet. Nach der Passage des Saturn war Voyager 1 gen Norden abgebogen, in den Bereich oberhalb der Ebene der Planeten. Voyager 2 hatte noch Uranus und Neptun erkundet, um dann nach Süden abzutauchen, in den Bereich unterhalb der Ekliptik. Ursprünglich auf eine Missionsdauer von fünf Jahren ausgelegt, sind die beiden Veteranen noch immer aktiv - wenn auch in beschränktem Umfang.

In einigen Jahren werden die beiden Sonden jene Region erreichen, in der ein Kräftegleichgewicht zwischen Sonnenwind und interstellarem Wind besteht. Diese Heliopause markiert die Grenze des Herrschaftsgebietes der Sonne im All, der Heliosphäre. "Im Innern der Heliosphäre kommt alles Material von der Sonne", erläutert Stone. "Die Voyagers werden diese Blase schließlich verlassen und finden sich dann im interstellaren Raum, inmitten von Material anderer Sterne."


Forschung: Edward C. Stone, California Institute of Technology, Pasadena; und andere

Präsentation auf dem 2006 Joint Assembly, Baltimore

WWW:
Voyager
What's It Like Where Voyager Is?

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Voyager 1: Auf dem Sprung

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: