22.5.2006, 13:00 Uhr
Überkritisch: Rekordtemperatur an Tiefseequelle

Die bislang heißeste Tiefseequelle hat eine internationale Forschergruppe entdeckt. Das Wasser der in 3.000 Metern Tiefe gelegenen Quelle erreicht eine Temperatur von 407 Grad Celsius und damit den überkritischen Zustand - es verhält sich wie Flüssigkeit und Gas zugleich.

Andrea Koschinsky-Fritsche von der International University Bremen und ihre Kollegen fanden die Rekordquelle während einer Expedition mit dem Forschungsschiff Meteor. Der "Schwarze Raucher", so benannt nach der für diesen Quelltyp charakteristischen Partikelwolke, liegt knapp südlich des Äquators am mittelatlantischen Rücken zwischen Südamerika und Afrika.

Foto: Black Smoker, schwarze Wolke austretenden Wassers, darin ein metallischer Sensor-Stab am Greifarm eines Tauchroboters

Foto: Copyright MARUM, Universität Bremen

Entlang des Rückens steigt heißes Material aus dem Erdmantel auf und bildet neue ozeanische Kruste. Dabei driften die beiden angrenzenden tektonischen Platten auseinander - in dem untersuchten Gebiet um rund 4 Zentimeter pro Jahr. Im Rahmen eines regelrechten Kühlkreislaufs dringt Meerwasser in den Untergrund ein, wird an dem heißen Gestein erhitzt und tritt wieder aus dem Meeresboden aus. Dank seiner Fracht an gelösten Mineralien und Gasen stellt das Quellwasser häufig die Grundlage wahrer Tiefseeoasen dar.

An solchen hydrothermalen Quellen seien bereits Wassertemperaturen von bis zu 402 Grad Celsius gemessen worden, erläutert Koschinsky-Fritsche. "Die Erhöhung des Temperaturweltrekords um nur 5 Grad Celsius mag auf den ersten Blick unerheblich scheinen; sie hat jedoch erhebliche Konsequenzen", so die Leiterin der Forschungsfahrt. Unter dem Druck von rund 300 Atmosphären liege Wasser bei dieser Temperatur als überkritischer Dampf vor. Dieser löse Bestandteile aus den umliegenden Gesteinen auf andere Weise heraus als flüssiges Wasser. "Das Ergebnis sind superheiße Lösungen mit außergewöhnlichen Zusammensetzungen."


Forschung: Andrea Koschinsky-Fritsche, School of Engineering and Science, International University Bremen; Colin W. Devey, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, IFM-Geomar, Kiel; und andere

WWW:
School of Engineering and Science, IU Bremen
IFM Geomar
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