15.3.2006, 19:39 Uhr
Frosch zwitschert im Ultraschall
Rauschende Wasserfälle können auf Menschen beruhigend wirken. Für einen Frosch im Osten Chinas sind dagegen eher lästig, berichtet eine amerikanisch-chinesische Forschergruppe im Magazin "Nature". Damit seine Rufe vor der Geräuschkulisse überhaupt zur Geltung kommen, hat das Tier seinen Tonumfang bis in den Ultraschall-Bereich erweitert.
Von Fledermäusen, Walen und auch einigen Nagern ist bereits bekannt, dass sie Ultraschall gezielt einsetzen. "Bislang hatte niemand auch nur in Erwägung gezogen, dass Frösche dazu ebenfalls in der Lage sein könnten", erläutert Albert Feng von der University of Illinois at Urbana-Champaign.
Die neuen Resultate könnten die ungewöhnlichen Ohröffnungen des Kaskadenfrosches erklären. Foto: Courtesy of Albert Feng
Vor einigen Jahren hatten Feng und Kollegen den Kaskadenfrosch (Amolops tormotus) in der Fachwelt bekannt gemacht. Die Art lebt im Huangshan-Gebirge mit seinen zahlreichen heißen Quellen und Wasserfällen. Ihre Männchen besitzen ungewöhnliche trichterförmige Ohröffnungen und produzieren Rufe, die eher an Vogelgezwitscher denn an Gequake erinnern. Dabei produzieren sie Töne, die mühelos eine Frequenz von 20 Kilohertz und damit die Grenze zum Ultraschall überschreiten.
Die hohen Töne stoßen nicht auf taube Ohren, belegten die Versuche der Forscher vor Ort. Spielten sie männlichen Kaskadenfröschen lediglich den Ultraschall-Anteil der Rufe vor, erhöhten diese die Rate ihrer Rufe und lieferten sich mitunter sogar eine Art akustisches Duell mit dem vermeintlichen Artgenossen. Messungen am Hirnstamm der Tiere zeigten eine Aktivierung bei Tonfrequenzen von bis zu 35 Kilohertz.
Auch ein weiterer, in dem Gebiet heimischer Frosch (Odorrana livida) reagierte auf Ultraschall, wenn auch nur bis 22 Kilohertz. Umgekehrt reichte das Hörvermögen eines weit verbreiteten Bewohners von Reisfeldern und Tümpeln nur bis 5 Kilohertz. Diese Beobachtung spricht nach Ansicht Fengs und seiner Kollegen dafür, dass die Kaskadenfrösche mit ihrer Ultraschall-Kommunikation dem Rauschen der Wasserfälle akustisch ausweichen. Eine ähnliche Frequenzverlagerung war bereits bei Kohlmeisen beobachtet worden, dort allerdings als Reaktion auf Straßenlärm.
Forschung: Albert S. Feng, Department of Molecular and Integrative Physiology und Beckman Institute, University of Illinois, Urbana-Champaign; Peter M. Narins, Departments of Physiological Science und Ecology & Evolutionary Biology, University of California, Los Angeles; Jun-Xian Shen, Institute of Biophysics, Chinese Academy of Sciences, Shanghai; und andere
Veröffentlichung Nature, Vol. 440, 16. März 2006, pp 333-6, DOI 10.1038/nature04416
WWW:
Homepage Albert Feng
Narins Lab
Institute of Biophysics, Chinese Academy of Sciences
Amolops tormotus
Frog Communication
Kohlmeisen übertönen Lärm
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