20.3.2006, 13:09 Uhr
CO2-Messungen zeigen Rhythmus der Stadt
Wie viel Kohlendioxid Straßenverkehr und Haushalte freisetzen, lässt sich anhand der Umsätze von Tankstellen und Heizöl- oder Gaslieferanten schätzen. Präzisere Aussagen ermöglichen im Minutentakt durchgeführte Luftanalysen, berichten eine amerikanische Forscherin und ihre Kollegen im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Nicht nur der Berufsverkehr, auch die jeweilige Wetterlage schlägt sich darin nieder.
"Diese Daten zeigen erstmals, dass Atmosphärenmessungen helfen können, Muster der Energie- und Brennstoffnutzung auf Zeitskalen von Stunden bis Tagen zu erfassen", schreibt die Gruppe um Diane Pataki von der University of California, Irvine. Bislang hätten die entsprechenden Statistiken meist eine grobe zeitliche und räumliche Auflösung. Umso mehr könnte die neue Messtechnik helfen, künftige Veränderungen des CO2-Ausstoßes einzuschätzen.
Pataki und Kollegen analysierten Daten eines Messgeräts, das sie auf dem Dach eines Universitätsgebäudes in Salt Lake City aufgebaut hatten. Das Gerät saugte alle drei Minuten eine Luftprobe ein und maß deren Infrarot-Absorption. Anhand der genauen Form des Spektrums konnten Konzentration und Isotopenzusammensetzung des in dem Gasgemisch enthaltenen Kohlendioxids bestimmt werden. Da Erdgas mehr "leichten" Kohlenstoff-12 enthält als beispielsweise Benzin, erlaubte dies Rückschlüsse auf die aktuellen Beiträge von Gebäudeheizungen, Straßenverkehr und anderen CO2-Quellen.
Die im Winter 2004/2005 durchgeführten Analysen zeigten einen klaren Tagesverlauf: In den frühen Morgenstunden war der Anteil der Erdgas-Verbrennung am gesamten CO2-Ausstoß mit 60 bis 70 Prozent besonders hoch, sank während der abendlichen Rushhour jedoch auf 30 bis 40 Prozent. Während einer kurzen Wärmephase sank der Anteil nochmals - vermutlich, weil die Einwohner ihre Heizungen weniger weit aufdrehten. Umgekehrt stieg die CO2- Konzentration gegen Ende des Studienzeitraums auf beinahe 600 ppm (parts per million). Zu dieser Zeit herrschte eine besonders stabile Luftschichtung über der Stadt, sodass sich das Kohlendioxid wie unter einer Käseglocke ansammeln konnte.
Forschung: Diane E. Pataki, Department of Earth System Science und Department of Ecology and Evolutionary Biology, University of California, Irvine; Dave R. Bowlin, Jim R. Ehleringer und John M. Zobitz, Department of Biology und Department of Mathematics, University of Utah, Salt Lake City
Veröffentlicht in Geophysical Research Letters, Vol. 33, L03813, DOI 10.1029/2005GL024822
WWW:
Pataki Lab, UC Irvine
Salt Lake Valley Airshed Project
Kohlendioxid
Inversion
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