15.5.2006, 7:54 Uhr
Größte Galaxienkarte erstellt

Die umfangreichste Karte des Universums hat eine internationale Astronomengruppe erstellt. Die Karte beruht auf den Positionen von über einer Million Galaxien im Umkreis von mehreren Milliarden Lichtjahren. Nach Ansicht der Forscher bestätigt sie, dass der Kosmos überwiegend aus Dunkler Energie und Dunkler Materie besteht.

"Wir können nun präzise sagen, woraus das Universum besteht, allerdings können wir nur raten, warum das so ist", erklärt Ofer Lahav vom University College London. "Es ist faszinierend, dass die herkömmliche Materie, aus denen unsere Körper bestehen und mit der wir alltäglich zu tun haben, nur wenige Prozent im kosmischen Budget ausmacht."

Collage: Verteilung von regulären und 'Luminous Red Galaxies' im Umkreis der Erde, kleine Teleskopaufnahmen zeigen verschiedene Vertreter

Das Licht der kartierten "Luminous Red Galaxies" (rote Punkte) wurde vor bis zu 5,6 Milliarden Jahren ausgesandt. Bild: N. Padmanabhan (Princeton) and the SDSS Collaboration

Für ihre dreidimensionale Karte benötigten Lahav und Kollegen nicht nur die Position der Galaxien am Nachthimmel, sondern auch ihre Entfernungen. Zur Berechnungen dieses Werts müsste normalerweise das Spektrum jeder einzelnen Galaxie aufgenommen und bestimmt werden, wie stark ihr Licht durch die Ausdehnung des Raums "gedehnt" worden ist. Die Forscher sparten sich einen großen Teil dieser Arbeit, indem sie sich auf eine einzige Klasse von Galaxien konzentrierten: Nachdem sie ein Computerprogramm mit Spektren von rund 10.000 dieser "Red Luminous Galaxies" trainiert hatten, konnte es allein anhand der "Grundfarbe" einer solchen Galaxie deren Entfernung einschätzen.

Astronomen gehen davon aus, dass eine rätselhafte Dunkle Energie die Ausdehnung des Universums beschleunigt. Als ein Art Gegenspieler fungiert die nicht minder rätselhafte Dunkle Materie, deren Schwerkraft die Materie zusammenrafft. Das Wechselspiel dieser beiden Faktoren prägt sich der Verteilung der dunklen und sichtbaren Materie im All auf.

"Wir haben die Muster in der Karte analysiert und Wellen in der Struktur entdeckt, die sich über Milliarden Lichtjahre erstrecken", erläutert Chris Blake von der University of British Columbia in Vancouver. "Diese Wellen wurden vor Jahrmilliarden erzeugt und sind durch die Expansion des Universums enorm gestreckt worden."


Forschung: Ofer Lahav und Sarah Bridle, Department of Physics and Astronomy, University College London; Adrian Collister, Institute of Astronomy, University of Cambridge; Christopher Blake, Department of Physics and Astronomy, University of British Columbia, Vancouver; und andere

WWW:
Astrophysics Group, University College London
Sloan Digital Sky Survey
Das Hubble-Gesetz
Logarithmic Maps of the Universe

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