8.5.2006, 16:37 Uhr
Hartnäckige Desinfektionsmittel im Klärschlamm

Antimikrobielle Wirkstoffe, wie sie heute in vielen Seifen, Deos und Reinigungsmitteln enthalten sind, stellen Klärwerke vor eine schwierige Aufgabe. Entsprechende Resultate präsentiert eine amerikanische Forschergruppe im Fachblatt "Environmental Science & Technology". Zwar lässt sich die Verbindung Triclocarban gut aus dem Abwasser entfernen. Im Klärschlamm stark aufkonzentriert, trotzt sie jedoch biologischen Abbauprozessen.

"Die von uns beobachtete Persistenz von Triclocarban ist bemerkenswert", erklärt Jochen Heidler von der Johns Hopkins University in Baltimore. "In der Kläranlage wurde die im Klärschlamm enthaltene Verbindung für etwa drei Wochen der biologischen Behandlung unterzogen - und dennoch fand kaum ein Abbau statt." Besonders problematisch sei diese Beharrlichkeit, wenn der Klärschlamm als Dünger oder zur Bodenverbesserung in der Landwirtschaft eingesetzt werde.

Über mehrere Wochen analysierten Heidler und seine Kollegen, wie viel Triclocarban mit dem ungeklärten Abwasser in ein großes Klärwerk im Osten der Vereinigten Staaten eintrat und sie wieder verließ. Da sich der Kohlenwasserstoff an Schwebstoffe anlagert, ließ er sich mit diesen zu 97 Prozent aus dem Wasser entfernen. Folge war allerdings eine starke Anreicherung im Klärschlamm.

Ausgehend von einigen Mikrogramm pro Liter unbehandelten Abwassers, erreichte die Triclocarban-Konzentration im Schlamm über 50 Milligramm pro Kilogramm Trockengewicht - selbst nach 19-tägiger Verweildauer im Faulturm. Ähnliche Resultate hatte bereits eine Studie Stuttgarter Forscher erbracht, bei der neben Triclocarban auch Triclosan und Hexachlorophen betrachtet worden waren.

"Die Ironie ist eine doppelte", so Rolf Halden, der Leiter der Arbeitsgruppe. "Um unsere Gesundheit zu schützen, produzieren und nutzen wir in großen Mengen eine toxische Chemikalie - obwohl die Zulassungsbehörde für Arzneimittel festgestellt hat, dass dies keinen nachweisbaren Nutzen bringt. Und wenn wir dann etwas Sinnvolles tun und die biologischen Feststoffen enthaltenen Nährstoffe recyceln wollen, bringen wir letztlich ein bekanntes Fortpflanzungsgift auf unseren Äckern aus." Die Studie zeige, wie wichtig es sei, stets den gesamten Lebenszyklus einer Chemikalie zu berücksichtigen.


Forschung: Jochen Heidler, Amir Sapkota und Rolf U. Halden, Department of Environmental Health Sciences, Bloomberg School of Public Health, und Center for Water and Health, Johns Hopkins University, Baltimore, Maryland

Veröffentlichung Environmental Science & Technology, DOI 10.1021/es052245n

WWW:
Halden Lab
Cleaning Up Antimicrobial Hand Soaps
Triclocarban and Triclosan
Studie zu Triclosan, Triclocarban und Hexachlorophen
Simulationsspiel Klärwerk

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