11.5.2006, 14:40 Uhr
Libellen ziehen wie Vögel

Ähnlich Vögeln, legen auch einige Insekten regelmäßig große Entfernungen zurück. Dabei scheinen sie den gleichen Regeln wie ihre gefiederten Pendants zu folgen, haben amerikanische Biologen mit Hilfe winziger Peilsender entdeckt. Auf ihrer Wanderung in den Süden lassen sich Libellen demnach von Wind und Wetter leiten und nehmen lieber einen Umweg in Kauf, als größere Wasserflächen zu überqueren.

"Wir fanden noch weitere Ähnlichkeiten und fragen uns nun, wann in der Vergangenheit der Erde erstmals Tiere diesen Regeln folgten", erklärt Martin Wikelski von der Princeton University, New Jersey. Von einem tiefer gehenden Verständnis dieser Wanderungen könnten neben Ökologen und Naturschützern auch Landwirte profitieren, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt "Biology Letters".

Die Biologen fingen im Spätsommer 14 Große Königslibellen (Anax junius) und klebten den Tieren 0,3 Gramm leichte Funksender an die Brust. Vom Boden und vom Kleinflugzeug aus konnten sie so bis zu 12 Tage lang die Bewegungen der Tiere verfolgen. Diese wurden im Schnitt alle drei Tage von der Wanderlust gepackt - meist nach einer Nacht, die kälter als die vorhergehende gewesen war.

Sinkende Nachtemperaturen gingen im nordamerikanischen Spätsommer auf kühle Luftmassen aus dem Norden zurück, erläutern Wikelski und Kollegen. Daher könnten die Libellen anhand des Temperaturrückgangs vielleicht erkennen, wann mit Rückenwind auf dem Weg in den Süden zu rechnen sei. Des ungeachtet machten die Insekten stets einen Schlenker nach Nordwesten, sobald sie auf die breite Delawarebucht stießen, und überquerten diese an einer engeren Stelle nahe der Flussmündung.

Ein identisches Verhalten sei bei vielen Singvögeln und kleineren Greifen beobachtet worden, schreiben die Forscher. Einen wichtigen Unterschied gebe es allerdings: Gemessen am Abnutzungsgrad ihrer Flügel, handle es sich bei den im Frühling wieder gen Norden wandernden Libellen nicht um die Herbstzieher, sondern um eine frisch geschlüpfte Generation.


Forschung: Martin Wikelski, James S. Adelman und David S. Wilcove, Department of Ecology and Evolutionary Biology, Princeton University, Princeton, New Jersey; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, Doi 10.1098/rsbl.2006.0487

WWW:
Wikelski Lab
Große Königslibelle
Libellen-FAQ
Migration Basics

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