18.5.2006, 15:16 Uhr
Klimawandel hemmt boreale Nadelwälder
Indem die Temperaturen in den nördlichen Gebieten der Erde steigen, wird es dort nicht einfach nur grüner. Entsprechende Resultate von Satellitenbeobachtungen präsentieren zwei amerikanische Forscher im Fachblatt "Earth Interactions". Während die Photosynthese-Aktivität in der Tundra im Zuge der Erwärmung steigt, sinkt sie in den Wäldern der Taiga stellenweise.
"Diese Studie lässt vermuten, dass die höheren Breiten anders als bislang angenommen auf den Klimawandel reagieren", erklärt Andrew Bunn vom Woods Hole Research Center. "Sollten die borealen Wälder in einer wärmeren Welt weniger Kohlenstoff binden und speichern können als erwartet, müssen wir die Reaktion der Erde auf die fortgesetzte Kohlendioxid-Emission noch einmal überdenken."
Während die Photosynthese-Aktivität der Tundra nördlich der Brooks-Kette in Alaska ansteigt (links), sinkt sie in den sibirischen Wäldern (rechts). Beim Übergang von Wäldern zu Feuchtgebieten kann sich der Trend umkehren (unten). Grafik: A. Bunn/S. Goetz. Woods Hole Research Center. whrc.org
Bunn und sein Kollege Scott Goetz analysierten Satellitenbeobachtungen der Gebiete jenseits 50 Grad nördlicher Breite in den Jahren 1982 bis 2003. Auf rund 85 Prozent der Fläche ließ sich in diesem Zeitraum kein klarer Trend feststellen, berichten die Forscher. Wo dies doch der Fall war, waren die Veränderungen je nach Vegetationstyp sehr unterschiedlich: In der Tundra mit ihren Gräsern, Moosen und Flechten stieg die Photosynthese-Aktivität über die gesamte Wachstumsperiode. Ein ähnlicher Trend zeigte sich in den borealen Nadelwäldern nur in den Monaten Mai und Juni, wurde jedoch durch eine verringerte Aktivität im Spätsommer mehr als kompensiert.
"Statt eines systematischen Ergrünens [...] beobachten wir eine nuancierte und überraschend schnelle Reaktion auf klimatische Veränderungen", erklärt Goetz. Die Frage sei nun, ob diese Trends von Dauer seien, ob die Wälder zurückgingen oder sich anpassen könnten, und wie sich dies auf den Einfluss der Erwärmung auswirke. Zur Klärung dieser Punkte müssten das bestehende Messnetz erweitert, bereits vorhandene Daten neu analysiert und die Computermodelle der Vegetation verfeinert werden.
Forschung: Andrew G. Bunn und Scott J. Goetz, Woods Hole Research Center, Massachusetts
Veröffentlicht in Earth Interactions, Vol. 10, Paper 12
WWW:
Woods Hole Research Center
Major Biomes of the World
Satellite-Observed Changes in the Arctic
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mehr Kohlenstoff in arktischen Böden
Arktische Seen reagieren auf Erwärmung
Mehr Grün wärmt die Arktis
| [Zurück] | |

