19.4.2006, 19:02 Uhr
Sturzbach unter antarktischem Eis

Unter dem Eis der Antarktis steht die Zeit alles andere als still. Entsprechende Beobachtungen präsentieren britische Glaziologen im Magazin "Nature". Simultane Bewegungen an verschiedenen Punkten der Eisoberfläche sprechen ihrer Ansicht nach dafür, dass die Seen am Grund des Eispanzers zumindest zeitweise durch regelrechte Flüsse miteinander verbunden sind.

Sollte diese Vermutung zutreffen, stellten die unter mehreren Kilometern Eis gelegenen Seen deutlich weniger isolierte Umgebungen dar als gemeinhin angenommen, schreiben Duncan Wingham vom University College London und seine Kollegen. Dies würde allerdings bedeuten, dass bei dem geplanten Anbohren der Seen rasch größere Abschnitte des subglazialen Systems kontaminiert werden könnten.

Wingham und Kollegen analysierten Satellitendaten über die Höhe der Eisoberfläche im ostantarktischen Wilkesland. Dabei fanden sie, dass sich das Eis über dem nördlichen Abschnitt eines tiefen Grabens im Untergrund binnen 18 Monaten um gut vier Meter gesenkt hatte. Praktisch zeitgleich hatte es sich 290 Kilometer weiter südlich, über drei bekannten subglazialen Seen in dem Graben, deutlich gehoben.

Der einzige Mechanismus, der diese Beobachtungen erklären könne, sei die rasche Verlagerung von rund 1,8 Kubikkilometern Wasser aus einem bislang unbekannten See in die drei anderen Seen, so die Forscher. Von der Unterseite des Eispanzers unter dessen eigenem Druck abgeschmolzen, könnte dieses Grund-Wasser auf diese Weise relativ schnell aus dem Landesinneren ins Meer gelangen. Das regelmäßige Durchspülen des Systems verringere zudem die Gefahr, dass sich in den subglazialen Seen größere Mengen von Gasen ansammelten und diese beim Anbohren förmlich übersprudelten.


Forschung: Duncan J. Wingham und Alan S. Muir, Department of Space and Climate Physics, University College London; Martin J. Siegert, Bristol Glaciology Centre, School of Geographical Sciences, University of Bristol; Andrwe Shepherd, Scott Polar Research Institute, University of Cambridge

Veröffentlichung Nature, Vol. 440, 20. April 2006, pp 1033-6, DOI 10.1038/nature04660

WWW:
Centre for Polar Observation and Monitoring
Subglacial Antarctic Lake Exploration
Subglacial Lake Vostok
Phasendiagramm von Wasser

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