15.4.2006, 10:07 Uhr
Manche Würmer mögen's heiß

Der Wettbewerb um die besten Plätze erfordert einiges an Widerstandskraft. Das gilt auch für Würmer, haben zwei amerikanische Biologen ermittelt. Ein an heißen Tiefseequellen lebender Wurm hält Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius nicht nur aus, er sucht sie förmlich.

Damit seien die Würmer der Art Paralvinella sulfincola die einzigen bekannten Tiere, die dauerhaft derart hohe Temperaturen bevorzugten, schreiben Peter Girguis von der Harvard University und Raymond Lee von der Washington State University im Magazin "Science". Um die in Tiefen von über zwei Kilometern heimischen Tiere überhaupt im Labor untersuchen zu können, hatten sie ein Hochdruck-Aquarium entwickeln müssen.

Foto: Paralvinella sulfincola auf grauen Mineralienablagerungen, einige Tiere haben ihre orangeroten, sternförmigen Kiemen ausgestreckt

Paralvinella sulfincola an einer heißen Quelle in 2.200 Metern Tiefe. Einige Tiere haben ihre rötlichen Kiemen ausgestreckt. Foto: Courtesy of Peter Girguis and the Monterey Bay Aquarium Research Institute

In dieses Aquarium gesetzt, versammelten sich die Würmer rasch in der Nähe von Heizelementen, wo das Wasser wärmer als 40 Grad war. Ein Tier hielt sich sogar einige Minuten lang bei 55 Grad auf, andere blieben über Stunden bei 50 Grad. Wurde das gesamte Wasser im Aquarium auf 55 Grad erhitzt, zeigten die Tiere nach zwei Stunden Anzeichen von Stress. Bei 60 Grad starben sie binnen Minuten.

Girguis und Lee waren auf die kleinen Borstenwürmer aufmerksam geworden, weil sich diese besonders nah an das bis zu 350 Grad heiße Wasser der Tiefseequellen heranwagen. Zwar fangen manche Bakterien und Archäen erst bei Temperaturen jenseits von 80 Grad an, sich richtig wohl zu fühlen. Für Tiere könnten 55 Grad Celsius jedoch die Obergrenze darstellen, vermuten Girguis und Lee. Bei dieser Temperatur zeigten die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, erste Funktionsstörungen.


Forschung: Peter R. Girguis, Department of Organismic and Evolutionary Biology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts, und Raymond W. Lee, School of Biological Sciences, Washington State University, Pullman

Veröffentlichung Science, Vol. 312, 14. April 2006, p 231, DOI 10.1126/science.1125286

WWW:
Girguis Lab
Homepage Raymond Lee
Hydrothermal Vents

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