24.4.2006, 7:44 Uhr
Deutsche Bäuche sind zu dick
Wie gefährlich Übergewicht ist, hängt nicht zuletzt von der Menge des Bauchfetts ab. Münchener und Dresdener Wissenschaftler haben nun erstmals in einer großen Studie untersucht, wie es um den Bauchumfang der Deutschen steht. Viele Personen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen weisen demnach deutlich erhöhte Werte auf.
"Mit einem durchschnittlichen Umfang von 99,9 Zentimetern bei Männern und 89,7 Zentimetern bei Frauen sind die deutschen Bäuche eindeutig zu dick", erklärt Sigmund Silber, Kardiologe in München. "Und wer um die Leibesmitte zu viel Umfang ausweist, hat auch gehäuft andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen." Silber und seine Kollegen präsentieren ihre Resultate auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.
Neben dem Body-Mass-Index (BMI) gerät das die Eingeweide umgebende Bauchfett immer stärker in den Blickpunkt der Medizin. Als Indikator für ein deutlich erhöhtes Komplikationsrisiko gilt ein Bauchumfang von 102 bzw. 88 Zentimetern bei Männern und Frauen. Die Mediziner und Psychologen analysierten nun Daten von über 55.000 Personen und setzten diese in Verbindung mit Angaben zu bereits bestehenden Erkrankungen und Risikofaktoren.
Männer und Frauen mit erhöhtem Blutdruck weisen demnach einen Bauchumfang von durchschnittlich 105,3 bzw. 97,1 Zentimetern auf, während es bei jenen mit nicht erhöhtem Blutdruck 96,3 bzw. 85,7 Zentimeter sind. Deutlich dicker sind auch die Bäuche von Diabetikern: Männer bringen es auf 106,9 Zentimeter, Frauen auf 100 Zentimeter, Nicht-Betroffene dagegen auf 98,4 bzw. 88,2 Zentimeter. Ähnliche Unterschiede zeigten sich bei koronarer Herzkrankheit und erhöhten Blutfetten.
Die Studie dokumentiere zum ersten Mal den Stellenwert eines erhöhten Bauchumfanges in einer großen Personengruppe in Deutschland, so Silber und Kollegen. Die Resultate zeigten, dass die von verschiedenen Fachgesellschaften festgelegten Grenzwerte auch in der Alltagsrealität plausibel seien.
Forschung: Sigmund Silber, Kardiologische Gemeinschaftspraxis und Praxisklinik, München; Hans-Ulrich Wittchen, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, TU Dresden; und andere
Präsentation auf der 72. Jahrestagung der DGK, Mannheim, #P1330
WWW:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung
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