21.4.2006, 7:48 Uhr
Antarktis vor 41 Millionen Jahren "abgenabelt"
Indem die Antarktis von einer Meeresströmung eingeschlossen wurde, entwickelte sie sich zu einem eisigen Kontinent. Diese Ansicht bekräftigen neue Resultate, die ein amerikanisches Geologenduo im Magazin "Science" vorstellt. Die Drakestraße zwischen Südamerika und der Antarktischen Halbinsel öffnete sich demnach vor 41 Millionen Jahren - und damit vor der Vereisung der Antarktis.
Die Öffnung der Drakestraße und eines weiteren tiefen Seewegs zwischen Australien und der Antarktis einige Zeit später habe den Weg freigemacht für den antarktischen Zirkumpolarstrom, erläutern Howard Scher und Ellen Martin von der University of Florida, Gainesville. Diese Strömung habe möglicherweise nicht nur die Antarktis von wärmeren Wassermassen isoliert, sondern auch die Kohlendioxidaufnahme der südlichen Ozeane angekurbelt und damit zu einer generellen Abkühlung der Erde beigetragen.
Indem Fischzähne Ionen aus dem Meereswasser einlagern, bewahren sie dessen Isotopensignatur über die Zeit. Foto: Courtesy of Howie D. Scher
Scher und Martin analysierten fossile Fischzähne, die eine Bohrung im Atlantik vor Südamerika zutage gebracht hatte. Dabei interessierten sie sich vor allem für das Element Neodym: Dessen Isotop Nd-143 entsteht durch radioaktiven Zerfall und ist in den alten Gesteinen um den Pazifik herum etwas häufiger als in den jüngeren Gesteinen um den Atlantik herum. Die Analysen ergaben, dass die Häufigkeit dieses Neodym-Isotops im Atlantikwasser vor gut 41 Millionen Jahren rasch anstieg.
Offenbar strömten ab dem mittleren Eozän größere Mengen Pazifikwasser in den Südatlantik, folgern die Forscher. Ähnliche Messungen an Bohrkernen aus dem Indischen Ozean und dem subtropischen Atlantik ließen es als unwahrscheinlich erscheinen, dass diese Wassermassen westwärts oder durch die damals noch offene Panamastraße gekommen seien. Daher müsse der neue Einstrom die Öffnung der Drakestraße markieren.
Erst kürzlich hatte eine andere Forschergruppe ermittelt, dass sich das Auseinanderdriften von Südamerika und Antarktis vor etwa 50 Millionen Jahren rapide beschleunigt hatte. Offenbar habe es noch neun Millionen Jahre gedauert, bis die Landbrücke zwischen den beiden Kontinenten aufgrund der starken Dehnung der Erdkruste im Meer versunken sei, so Scher und Martin.
Forschung: Howie D. Scher und Ellen E. Martin, Department of Geological Sciences, University of Florida, Gainesville
Veröffentlichung Science, Vol. 312, 21. April 2006, pp 428-30, DOI 10.1126/science.1120044
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