25.4.2006, 13:35 Uhr
Sternbeben verrät Aufbau von Neutronensternen

Geophysiker können aus Erdbebenwellen Informationen über den Aufbau der Erde ableiten. Auf ganz ähnliche Weise hat ein amerikanisches Astronomenduo ein Sternbeben genutzt, um mehr über einen fernen Neutronenstern zu erfahren. Die Sternleiche scheint demnach eine kilometerdicke Kruste aus reiner Kernmaterie zu besitzen.

Ende 2004 wurde das Sonnensystem von dem bislang stärksten Strahlungsblitz durchlaufen. Quelle war eine Explosion auf dem Neutronenstern mit der Bezeichnung SGR 1806-20. In der Folge fanden sich Hinweise dafür, dass der Ausbruch die Sternleiche auf der anderen Seite der Milchstraße wie einen Gong in Schwingung versetzt hatte.

Tod Strohmayer vom Goddard Space Flight Center der NASA und seine Kollegin Anna Watts, inzwischen am Garchinger Max-Planck-Institut für Astrophysik, studierten die von SGR 1806-20 ausgesandte Röntgenstrahlung. Registriert von den Satelliten Rossi X-ray Timing Explorer und RHESSI, variiert die Intensität dieser Strahlung mit mehreren Frequenzen - vergleichbar dem Luftdruck beim Anschlagen eines Akkords.

Darunter sind auch Oszillationen mit einer Frequenz von 625 Hertz, berichtete Strohmayer jetzt auf dem Treffen der American Physical Society in Dallas. Möglicherweise gehen diese Oszillationen auf Wellen zurück, die vertikal durch die feste äußere Schicht des Neutronensterns laufen. Ausgehend von einem Durchmesser der Sternleiche von schätzungsweise 20 Kilometern, scheint diese Kruste etwa 1,5 Kilometer mächtig zu sein. Ein ähnlicher Wert wird auch von theoretischen Modellen vorhergesagt.

Bereits früher waren deutlich langsamere Oszillationen der Röntgenstrahlung von SGR 1806-20 entdeckt worden. Diese könnten auf Torsionsschwingungen der gesamten Sternleiche zurückgehen, vermuten Strohmayer und Watts. Das Duo hofft nun auf noch stärkere Beben, die Hinweise auf das exotische Innenleben von Neutronensternen liefern könnten.


Forschung: Tod Strohmayer, X-ray Astrophysics Laboratory, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland, und Anna Watts, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching

Präsentation auf dem April Meeting der American Physical Society, Dallas, #X3.00002

WWW:
Homepage Tod Strohmayer
MPI für Astrophysik
Neutron Stars
Neutron starquake shakes RHESSI

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Eruption lässt Sternleiche erbeben
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