29.3.2006, 12:36 Uhr
Wenig Schlaf, dicke Kinder
Je weniger Kinder schlafen, desto eher werden sie übergewichtig. Entsprechende Resultate präsentieren kanadische Mediziner im "International Journal of Obesity". Schliefen die von ihnen studierten Kinder pro Nacht höchstens zehn Stunden, wiesen sie gut 3,5-mal häufiger Übergewicht auf als solche, die mindestens zwölf Stunden Schlaf bekamen.
Eine mögliche Ursache könne im Hormonhaushalt liegen, erläutert Angelo Tremblay von der Université Laval in Québec. "Schlafmangel senkt den Spiegel von Leptin, einem Hormon, das den Stoffwechsel aktiviert und den Hunger reduziert." Umgekehrt steige bei Schlafmangel der Spiegel des Hungerhormons Ghrelin, so der Mediziner.
Tremblay und Kollegen vermaßen 422 Schulkinder im Alter von fünf bis zehn Jahren und führten umfangreiche Interviews mit den Eltern. Gemessen an ihrem Body-Mass-Index (BMI), waren 20 Prozent der Jungen und 24 Prozent der Mädchen übergewichtig. Neben der Schlafdauer variierte die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht mit einer Vielzahl weiterer Faktoren - beispielsweise Übergewicht der Eltern, Bewegungsmangel, Fernsehen und Computerspielen.
In den letzten Jahrzehnten sei die Häufigkeit von Übergewicht bei jungen Erwachsenen rapide gestiegen, während ihre mittlere Schlafdauer um ein bis zwei Stunden gesunken sei, so Tremblay weiter. Möglicherweise bestehe zwischen beiden Trends ein kausaler Zusammenhang. In jedem Fall sollten Eltern darauf achteten, dass der Nachwuchs neben reichlich Bewegung auch genügend Schlaf bekomme.
Forschung: Jean-Philippe Chaput, Marc Brunet und Angelo Tremblay, Division de kinésiologie, Département de médecine sociale et préventive, Faculté de médecine, Université Laval, Québec
Veröffentlichung International Journal of Obesity, DOI 10.1038/sj.ijo.0803291
WWW:
Médecine sociale et préventive, Université Laval
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