29.3.2006, 19:23 Uhr
Spinnenseide hat Formgedächtnis
Spinnenseide fasziniert Materialforscher, da sie extrem reißfest und elastisch zugleich ist. Damit nicht genug, haben französische und britische Forscher entdeckt. Wird ein Spinnfaden verdrillt, pendelt er sich zunächst rasch neu ein, um im Laufe von Stunden wieder seine alte Form anzunehmen.
Dieser erstaunliche Mix von Eigenschaften könnte erklären, warum sich Spinnen beim Abseilen nicht um die eigene Achse drehen, vermuten Olivier Emile von der Université Rennes und seine Kollegen. Offenbar weise die Seide nicht nur eine, sondern mehrere unterschiedliche Federkonstanten bezüglich der Torsion auf, schreiben die Forscher im Magazin "Nature".
Emile und Kollegen verglichen das Torsionsverhalten von Spinnenseide mit dem von Kupfer und Kevlar, einem organischen Polymer. Dazu hängten sie ein Stäbchen an einem Faden aus dem jeweiligen Material auf und verdrehten es um 90 Grad. Während sich das Stäbchen am Kupferfaden nach dem Loslassen kaum bewegte, pendelte es am Kevlarfaden mehrmals hin und her und erreichte schließlich wieder die Ausgangslage.
Wurde das Stäbchen am Haltefaden einer Kreuzspinne (Araneus diadematus) aufgehängt, blieb es nach wenigen kleinen Schwingungen jenseits der Ausgangslage stehen - scheinbar. Tatsächlich wanderte es mit der Winkelgeschwindigkeit eines Stundenzeigers wieder in die ursprüngliche Orientierung, berichten die Forscher. Eine mögliche Erklärung für dieses Formgedächtnis des Spinnfadens könnten chemische Bindungen in der Seide sein, die beim Verdrillen des Materials reißen und sich dann allmählich wieder schließen.
Forschung: Olivier Emile und Albert Le Floch, Laboratoire de Physique des Lasers, UMR CNRS 6627, Université de Rennes, und Fritz Vollrath, Department of Zoology, University of Oxford
Veröffentlichung Nature, Vol. 440, 30. März 2006, p 621, DOI 10.1038/nature440621a
WWW:
Laboratoire de Physique des Lasers, Rennes
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