22.3.2006, 19:07 Uhr
Russische Waldbrände meist von Menschenhand

Selbst in extrem trockenen und heißen Jahren gehen die meisten Waldbrände in den Weiten Russlands auf Menschen zurück. Entsprechende Zahlen präsentieren europäische Forscher im Magazin "Nature". Maximal 13 Prozent aller Brände scheinen demnach natürliche Ursachen zu haben.

Seit 1998 hat es in Russland drei regelrechte Feuerjahre gegeben, in denen Waldbrände eine Fläche von jeweils bis zu 14,5 Millionen Hektar verwüsteten. Einhergehend mit langfristig hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen, seien darin erste Folgen des Klimawandels gesehen worden, schreiben Frédéric Achard und seine Kollegen vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission im italienischen Ispra.

MODIS-Aufnahme zeigt zahlreiche Brandherde und Rauchschwaden in der Nähe der Lena

Das MODIS-Falschfarbenbild zeigt zahlreiche Brandherde und Rauchschwaden in der Nähe der Lena. Bild: Jacques Descloitres, MODIS Land Rapid Response Team, NASA/GSFC

Um mehr über den Effekt der anomalen Witterung zu erfahren, kombinierten die Forscher einen Atlas der gesamten Waldfläche Russlands mit Beobachtungsdaten des amerikanischen Satelliten Terra. In den Jahren 2002 bis 2005 hatte Terra über 23.000 Brände auf 205 Millionen Hektar intakter Waldfläche erfasst. Von diesen Bränden hatten sich 85 Prozent am Rand der Wälder ereignet. Und beschränkten sich die Forscher auf 54 Millionen Hektar praktisch unberührter Waldfläche, hatten sich darauf selbst im Feuerjahr 2003 mindestens achtmal weniger Brände ereignet als auf den umliegenden, durch Menschen beeinflussten Fläche.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion sei die Einwohnerzahl in den bewaldeten Regionen Russlands und vor allem Sibiriens deutlich geschrumpft, so Achard und Kollegen. Dies habe die Lage jedoch nicht gebessert: Mangelnde Kontrolle, ineffiziente Planung und veränderte sozioökonomische Bedingungen hätten den durch Waldbrände vermittelte Einfluss des Menschen auf die Wälder sogar verstärkt. Dies müsse bei der Aufstellung der globalen Kohlenstoffbilanz und bei der Planung künftiger Programme zur Reduktion der Waldbrände und ihrer Folgen berücksichtigt werden.


Forschung: Danilo Mollicone, Hugh D. Eva und Frédéric Achard, Institute for Environment and Sustainability, Joint Research Centre of the European Commission, Ispra

Veröffentlichung Nature, Vol. 440, 23. März 2006, pp 436-7, DOI 10.1038/440436a

WWW:
Terrestrial Ecosystem Monitoring, Joint Research Centre
Atlas of Russia's Intact Forest Landscapes
Feuerökologie
Global Fire Monitoring Centre
Terra
Sibirische Feuer in Menschennähe

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