1.4.2006, 9:37 Uhr
Was Insekten wert sind
Insekten stellen die mit Abstand artenreichste Tiergruppe der Erde und halten ganze Ökosysteme am Laufen. Aber auch der handfeste finanzielle Nutzen der Sechsbeiner kann sich sehen lassen, berichtet ein amerikanisches Forscherduo im Fachblatt "BioScience". Wild lebende Insekten leisten demnach allein den Vereinigten Staaten Dienste im Wert von knapp 60 Milliarden Dollar pro Jahr.
"Dieser Schätzwert legt die Schlussfolgerung nahe, dass jährliche Investitionen in Milliardenhöhe zum Erhalt dieser nützlichen Insekten gerechtfertigt sind, wo immer sie gefährdet sind", schreiben John Losey von der Cornell University in Ithaca und Mace Vaughan von der Xerces Society for Invertebrate Conservation in Portland. Eine solche Gefährdung gehe von Habitatzerstörung, ortsfremden Arten und dem Einsatz von Giftstoffen aus.
Losey und Vaughan beschränkten ihre Schätzung auf wild lebende Insekten, ließen also die Leistungen von gezüchteten Honigproduzenten, Schädlingskontrolleuren und Bestäubern außer Acht. Zudem betrachteten sie nur jene Dienste, für die ausreichendes Zahlenmaterial vorliegt.
Arbeit im Wert von 0,38 Milliarden Dollar leisten Insekten demnach, indem sie den Kot von Weidetieren verwerten und ins Erdreich einarbeiten und so das Stickstoffrecycling beschleunigen, Krankheitserregern und Parasiten die Brutstätte nehmen und die Weidefläche freihalten. Obst und Gemüse im Wert von rund 3,0 Milliarden Dollar gehen auf die Leistung wild lebender Bestäuber zurück. Und Raubmilben, Wespen und andere Schädlingsvertilger ersparen der US-amerikanischen Land- und Forstwirtschaft jährlich 4,5 Milliarden Dollar an Ernteausfällen und Kosten für Pestizide.
Der weitaus größte Anteil erkläre sich dagegen durch den Wert der Insekten als Nahrung, so Losey und Vaughan. US-Bürger gäben pro Jahr etwa 60 Milliarden Dollar aus, um zum Angeln oder auf die Jagd zu gehen bzw. schlicht ins Grüne zu fahren. Davon würden rund 50 Milliarden Dollar wegfallen, wenn Fische, kleinere Säuger und Vögel keine Insekten fressen könnten.
Forschung: John E. Losey, Department of Entomology, Cornell University, Ithaca, New York, und Mace Vaughan, Xerces Society for Invertebrate Conservation, Portland, Oregon
Veröffentlichung BioScience, Vol. 56(4), pp 311-23
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Homepage John Losey
Xerces Society for Invertebrate Conservation
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