23.3.2006, 20:05 Uhr
Grönlands Gletscher beben häufiger
Die großen Gletscher Grönlands bringen immer häufiger die Erde zum Beben, berichten amerikanische Geowissenschaftler im Magazin "Science". Erst vor wenigen Jahren entdeckt, ist die Zahl der Gletscherbeben in der letzten Zeit stark gestiegen.
Die neuen Beobachtungen "stehen im Einklang mit einer dynamischen Reaktion auf die Klimaerwärmung", schreibt das Forschertrio um Göran Ekström von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts. Vermittelt werde diese Reaktion vermutlich durch Schmelzwasser, das sich den Weg von der Oberfläche zur Basis der Gletscher bahne und dort wie ein Schmiermittel fungiere.
Satellitenaufnahme des Jakobshavn Isbræ, eines der größten Eisströme Grönlands. Bild: NASA/GSFC/LaRC/JPL, MISR Team
Vor kaum drei Jahren hatten Ekström und Kollegen erstmals über "Gletscherbeben" berichtet - Beben mittlerer Stärke, die auf plötzliche Eisbewegungen in den Eisströmen Grönlands und der Antarktis sowie in Gebirgsgletschern zurückgehen. Da die Erschütterungen relativ lang andauern und bei tiefen Frequenzen dröhnen, waren sie mit herkömmlichen Analysetechniken bis dahin schlicht überhört worden.
Bei der Durchsicht bis ins Jahr 1993 zurückreichender Daten konnten die Forscher nun 182 Gletscherbeben auf Grönland identifizieren und einzelnen Gletschern zuschreiben. Demnach sind die Beben in den Sommermonaten häufiger als in den Wintermonaten, die Häufigkeit "herkömmlicher" Erdbeben zeigt dagegen keinen klaren Jahresgang. Und während sich bis 2001 jährlich weniger als 15 Gletscherbeben auf Grönland ereigneten, ist ihre Zahl seitdem stark gestiegen. Allein in den Monaten Januar bis Oktober 2005 registrierten die Forscher über 30 von grönländischen Gletschern ausgehende Beben.
Forschung: Göran Ekström und Victor C. Tsai, Department of Earth and Planetary Sciences, Harvard University, Cambridge, Massachusetts; Meredith Nettles, Lamont-Doherty Earth Observatory of Columbia University, Palisades, New York
Veröffentlichung Science, Vol. 311, 24. März 2006, pp 1756-8, DOI 10.1126/science.1122112
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