23.3.2006, 11:43 Uhr
Neuer kühler Nachbar der Sonne
Während Weltraumteleskope immer tiefer in den Kosmos schauen, gibt es auch in der nächsten Nachbarschaft noch viel zu entdecken. Eine amerikanisch-deutsche Astronomengruppe hat einen kühlen Braunen Zwerg aufgespürt, der einen Stern in lediglich 12,7 Lichtjahren Entfernung von der Sonne umkreist.
Braune Zwerge sind Sterne, die in ihrem Innerem keine Kernfusion aufrechterhalten können und daher allmählich erkalten. Das jetzt entdeckte Exemplar sei aus mehreren Gründen interessant, erläutert Beth Biller von der University of Arizona in Tucson. "Davon abgesehen, dass es extrem nahe an der Erde liegt, handelt es sich um einen T-Zwerg - einen sehr kühlen Braunen Zwerg - und um das einzige derartige Objekt, das einen Stern geringer Masse begleitet."
Die simultane Beobachtung bei drei Infrarot-Wellenlängen enthüllt den kühlen Neuling in der Nähe seines hell strahelnden Sterns. Bild: ESO
Für ihre Beobachtungen nutzten Biller und Kollegen eines der Großteleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile. Mit einem für die Suche nach Exoplaneten entwickelten Instrument fahndeten sie in der Nähe des kürzlich entdeckten Sterns SCR 1845-6357 nach Objekten, die genügend kühl sind, um eine methanreiche Atmosphäre aufzuweisen. Tatsächlich stießen sie auf einen lediglich 750 Grad Celsius warmen Begleiter, der den Stern im 4,5-fachen des Erde-Sonne-Abstandes umkreist.
Die Masse des Objekts dürfte zwischen 9 und 65 Jupitermassen liegen, berichtet die Gruppe demnächst im "Astrophysical Journal". Weitere Beobachtungen seiner Bewegung sollten eine genauere Massenbestimmung ermöglichen und damit mehr über die Eigenschaften des Beinahe-Sterns verraten. Schon jetzt spreche die Entdeckung für die Annahme, dass Braune Zwerge häufiger in Binärsystemen als allein anzutreffen seien, erläutert Billers Kollege Laird Close. "Dies hat weitreichende Konsequenzen für Theorien zur Bildung Brauner Zwerge."
Forschung: Beth A. Biller und Laird M. Close, Steward Observatory, University of Arizona, Tucson; Markus Kasper, European Southern Observatory, Garching; Wolfgang Brandner, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg, und Stephan Kellner, W.M. Keck Observatory, Waimea, Hawaii
Veröffentlichung Astrophysical Journal; Preprint astro-ph/0601440
WWW:
Homepage Laird Close
- Simultaneous Direct Imaging
Brown Dwarfs
An Atlas of the Universe
Very Large Telescope
Planetengroßer Beinahe-Stern könnte Planeten bekommen
| [Zurück] | |

