1.3.2006, 12:09 Uhr
Mehr Methan aus der Tiefsee
Am Meeresboden freigesetztes Methan könnte stärkeren Einfluss auf das Klima haben als bislang angenommen. Darauf deuten Beobachtungen deutscher, russischer und französischer Meeresforscher hin. Am Grund der Tiefsee als Blasenstrom freigesetzt, kann das Gas eine Art Whirlpool-Effekt erzeugen, der es rasch aufwärts transportiert.
Methan ist ein 20fach wirksameres Treibhausgas als Kohlendioxid. Während die meisten Quellen an Land bekannt sind, weiß man nur wenig über ozeanische Quellen und ihren Beitrag zum Treibhauseffekt der Erdatmosphäre. Es wurde jedoch angenommen, am Tiefseeboden freigesetztes Methan werde von Mikroben verwertet und damit "unschädlich" gemacht, bevor es die Meeresoberfläche erreicht.
Der Blasenstrom bildet eine knapp 800 Meter hohe Wolke (Einschub) über dem Meeresgrund. Grafik: E. Sauter, Alfred-Wegener-Institut. Foto: Ifremer
Dem ist nicht immer so, fanden Eberhard Sauter vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und Kollegen. Bei Untersuchungen an dem aktiven Tiefsee-Schlammvulkan Håkon Mosby zwischen Norwegen und Spitzbergen entdeckten sie eine Wolke aus Methanblasen, die vom Meeresgrund in 1.250 Metern Tiefe aufstiegen.
In gut 500 Metern Tiefe lösten sich die mit Methanhydrat ummantelten Bläschen wieder auf, berichtet die Gruppe im Fachblatt "Earth and Planetary Science Letters". Optische und akustische Messungen zeigten, dass der Blasenstrom das umgebende Wasser mitreißt, sodass das gelöste Methan weiter gen Meeresoberfläche getragen werden kann.
Allein im Bereich des Håkon Mosby könnten auf diese Weise einige Hundert Tonnen Methan pro Jahr in die obere Wassersäule gefördert werden, schätzen Sauter und seine Kollegen. "Weltweit wird die Zahl der untermeerischen Schlammvulkane auf mehrere Tausend geschätzt", erläutert der Geochemiker. "Ihr Beitrag zum globalen Methanhaushalt kann also durchaus wichtig sein."
Forschung: Eberhard J. Sauter, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; Sergey I. Muyakshin, Institute of Applied Physics, Russian Academy of Sciences, Nizhnii Novgorod; und andere
Vorab-Veröffentlichung Earth and Planetary Science Letters, DOI 10.1016/j.epsl.2006.01.041
WWW:
Alfred-Wegener-Institut
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