3.3.2006, 7:55 Uhr
Forst-Ökologie in Bernstein
Mit den Augen einer Spinne betrachtet, dürfte das Baltikum vor über 30 Millionen Jahren reizvoller gewesen sein als die Dominikanische Republik. Zu diesem Schluss kommen zwei englische Paläontologen nach der Analyse von Hunderten in Bernstein eingeschlossenen Spinnen. Radnetze spinnende Tiere wurden demnach im Ostseeraum deutlich größer als ihre Pendants in der Karibik.
Dies galt allerdings nicht für solche Spinnen, die ihrer Beute aktiv nachstellen, Kescher oder Bolas nach ihr schleudern oder ihr gut getarnt auflauern, berichten David Penney von der University of Manchester und Mark Langan von der Manchester Metropolitan University im Fachblatt "Biology Letters". Offenbar hätten die Bäume im Ostseeraum den Netzspinnern eine reichhaltiger strukturierte Umgebung geboten.
"Bernstein gestattet uns einzigartige Einblicke in längst vergangene Wald-Ökosysteme", betont Penney. "Er konserviert eine unglaubliche Menge an Information, nicht nur die über die Spinnen selbst, sondern auch über die Umwelt, in der sie lebten."
Penney und Langan analysierten 671 Spinnenarten, die in Bernstein aus Polen bzw. der Dominikanischen Republik eingeschlossen worden waren. Die statistische Analyse ergab für einige der 68 vertretenen Familien deutliche Größenunterschiede zwischen den Regionen: Beispielsweise wurden die Netze spinnenden Kugelspinnen (Theridiidae), zu denen auch die berüchtigte Schwarze Witwe gehört, im Ostseeraum deutlich größer als in der Karibik. Etwa im Falle der Springspinnen (Salticidae) fanden sich dagegen keine Unterschiede.
Nach Ansicht der Forscher spiegeln ihre Resultate die tatsächlichen Verhältnisse wieder - und sind nicht etwa durch unterschiedliche Eigenschaften der Baumharze bedingt. Und da vielfältiger strukturierte Lebensräume größere Spinnen beherbergten, deckten sich die Beobachtungen auch mit den Vermutungen über die jeweiligen Harzproduzenten.
Der karibische Bernstein stamme vermutlich von hohen und relativ schmalen, immergrünen Laubbäumen mit glatter Rinde. Als Produzent des baltischen Bernsteins würden unter anderem blattwerfende Nadelbäume mit weit ausladenden Ästen ähnlich der Goldlärche diskutiert, die ein komplexeres Gerüst für Spinnennetze lieferten.
Forschung: David Penney, School of Earth, Atmospheric and Environmental Sciences, The University of Manchester, und A. Mark Langan, Environmental and Geographical Sciences, Manchester Metropolitan University
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2006.0442
WWW:
Homepage David Penney
Homepage Mark Langan
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Erste Spinnenseide schon vor 300 Millionen Jahren?
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