18.1.2005, 18:22 Uhr
Forscher vermessen stellaren Kreisel

Seit langem wissen Astronomen, dass sich Regulus, einer der hellsten Sterne am Nachthimmel, extrem schnell um die eigene Achse dreht. Wie schnell und mit welchen Folgen für den Stern, konnten amerikanische Astronomen nun exakt ermitteln. Hart an seiner Belastbarkeitsgrenze rotierend, zieht es Regulus derart in die Breite, dass er am Äquator deutlich kühler ist als an den Polen.

Die meisten Sterne rotierten relativ gemächlich, erläutert Harold McAlister von der Georgia State University in Atlanta. Beispielsweise benötige die Sonne für eine Umdrehung rund 24 Tage - ein Punkt an ihrem Äquator bewege sich daher mit rund 7.200 Kilometern pro Stunde. Im Fall des gut fünfmal größeren Regulus' betrage die Geschwindigkeit am Äquator jedoch gut 1,1 Millionen Kilometer pro Stunde.

Grafik: Regulus und die Sonne im Vergleich

Regulus im Vergleich zur Sonne. Die Pfeile kennzeichnen die Richtung zum Himmelsnordpol und die Drehachse von Regulus. Der Stern bewegt sich längs dieser Achse durchs All. Grafik: McAlister et al./GSU

McAlister und seine Kollegen nutzten das aus sechs 1-Meter-Teleskopen bestehende Interferometer der Universität, um Regulus (alpha Leonis) zu beobachten. Dank der hohen Winkelauflösung des Instruments konnten die Forscher ermitteln, wie schnell der Stern bei unterschiedlichen Breitengraden rotiert und wie leuchtkräftig und heiß seine Oberfläche ist. Regulus dreht sich demnach mit 90 Prozent jener Geschwindigkeit, bei der die Fliehkraft am Äquator die Schwerkraft übertreffen und damit ein Massenverlust einsetzten würde.

Als Folge ist der Äquatordurchmesser des Sterns gut ein Drittel größer als der Poldurchmesser. Und da die Materie im äquatorialen "Speckgürtel" weniger stark zusammengepresst wird, liegt die Oberflächentemperatur hier mit 10.000 Grad Celsius etwa 5.000 Grad unter der an den Polen. Sichtbares Zeichen dieses Phänomens ist eine regional unterschiedliche Leuchtkraft, berichten McAlister und Kollegen demnächst im "Astrophysical Journal". Die Polregionen von Regulus strahlen fünfmal kräftiger als die Äquatorregion.


Forschung: Harold A. McAlister, Center for High Angular Resolution Astronomy (CHARA), Department of Physics and Astronomy, Georgia State University, Atlanta; und andere

Veröffentlichung in Astrophysical Journal, Preprint astro-ph/0501261

WWW:
CHARA, Georgia State University
Leo
Astronomen finden "verlängerten" Stern

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