20.1.2005, 20:18 Uhr
Serengeti: Löwen springen zwischen Gleichgewichten

Wenn die Bedingungen für eine Tierart allmählich günstiger werden, sollte auch die Zahl der Individuen allmählich steigen. Ein gänzlich anderes Verhalten zeigen Löwen in der Serengeti, berichtet eine internationale Forschergruppe im Magazin "Science". Gefesselt durch seine eigene Sozialstruktur und kontrolliert durch Gnus, erfährt der "König der Tiere" immer wieder Bevölkerungsexplosionen und -einbrüche.

Von besonderer Bedeutung ist dabei die Rudelgröße, berichten die Forscher um Craig Packer von der University of Minnesota, Saint Paul. Einerseits müsse ein neues Rudel eine Mindestgröße von etwa vier ausgewachsenen Weibchen haben, um sich gegen andere Rudel behaupten zu können. Andererseits steige mit der Zahl der Mitglieder auch die Konkurrenz innerhalb des Rudels, sodass Gruppen mit über zehn Weibchen kaum Nachwuchs durchbrächten. Schwanken dann auch noch die Umweltbedingungen, sind abrupte Bestandesveränderungen vorprogrammiert, zeigten die Computermodelle der Wissenschaftler.

Foto einer Löwin, die ein Gnu verfolgt

Eine Löwin auf der Jagd. Foto: Copyright Science

Packer und seine Kollegen analysierten die Populationsentwicklung von Löwen, die ein gut 2.000 Quadratkilometer großes Gebiet in der ostafrikanischen Serengeti bewohnen und seit 1966 beinahe kontinuierlich beobachtet werden. In der Region stieg die Zahl von Büffeln und Gnus seit 1963 stark an, nachdem die Tiere zuvor von der Rinderpest dezimiert worden waren. Doch erst im Jahr 1973 reagierte die im Buschland lebende Löwenpopulationen auf das steigende Beuteangebot - dann allerdings mit einem plötzlichen Anstieg der Individuenzahl um etwa ein Drittel. Grund waren sprunghaft erhöhte Überlebensraten der Jungtiere.

Ein zweiter Sprung folgte im Jahr 1983, nachdem grasende Gnus schon lange für weniger Steppenbrände gesorgt und den "Buschland-Löwen" so mehr Deckung verschafft hatten. Umgekehrt fanden in der Savanne jagende Löwen mehr Deckung, nachdem die Gnus durch eine Trockenheit dezimiert worden waren, und sprangen im Jahr 1997 auf ein neues Gleichgewichtsniveau. Und erst fünf Jahre, nachdem die Buschbewohner durch die Staupe dezimiert worden waren, stieg ihre Populationsgröße im Jahr 1999 wieder an, ebenfalls abrupt.


Forschung: Craig Packer, Anna Mosser und Bernard Kissui, Department of Ecology, Evolution, Behavior, University of Minnesota, Saint Paul; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 307, 21. Januar 2005, pp 390-3

WWW:
Lion Research Center
Serengeti-Nationalpark

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