20.1.2005, 15:52 Uhr
Mondstaub kann Solarzellen tragen

Eine zukünftige Mondkolonie sollte möglichst unabhängig von der Erde sein. Zumindest in Sachen Energieversorgung scheint dieses Ziel erreichbar, lassen Experimente amerikanischer Physiker vermuten. Der Mond könnte sich demnach regelrecht mit Solarzellen pflastern lassen, schreibt das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe.

Für eine Mondbasis sei "die Stromerzeugung von höchster Priorität, und Solarzellen würden eine bequeme Energiequelle für jegliche Aktivität auf dem Mond darstellen", sind Alex Freundlich von der University of Houston, Texas, und seine Kollegen überzeugt. Bereits vor einigen Jahren hatten die Forscher ein verblüffendes Konzept für die Produktion solcher Solarzellen vorgeschlagen. Aufgeschmolzen durch gebündeltes Sonnenlicht, soll die Mondoberfläche selbst als Fundament für riesige photovoltaische Zellen dienen.

Foto: Freundlich und Kollege Horton begutachten eine Solarzelle

Freundlich und sein Kollege Charles Horton begutachten eine Solarzelle. Foto: Thomas Shea/University of Houston

In einer Vakuumkammer testete die Gruppe nun, ob dieser Prozess durchführbar ist. Anstelle des feinen Regoliths, der den Mond meterhoch bedeckt, nutzten sie dabei ein Ersatzmaterial nahezu identischer Zusammensetzung mit der Bezeichnung JSC-1. Nach dem Schmelzen erstarrte das graue Pulver zu einer glatten, glasartigen Masse, berichten die Forscher im Fachblatt "Acta Astronautica". Auf dieser Unterlage schieden sie dünne Halbleiterfilme ab und komplettierten sie mit Elektroden zu funktionstüchtigen Solarzellen.

Hergestellt mit auf dem Mond denkbarer Technik, wandelten diese Prototypen lediglich ein Prozent der einfallenden Lichtenergie in elektrische Energie um. Platz sei auf unserem Trabanten jedoch kein Problem, so Freundlich und Kollegen. Zudem könnte der Mondregolith - bestehend aus Siliziumdioxid und Oxiden von Aluminium, Eisen und anderen Metallen - auch die Rohstoffe für Halbleiter und Elektroden liefern. Wie genau das bewerkstelligt werden könnte, will die Gruppe in ihren nächsten Studien eruieren.


Forschung: Charles Horton und Alex Freundlich, Texas Center for Superconductivity and Advanced Materials und Department of Physics, University of Houston; und andere

Veröffentlichung in Acta Astronautica, Vol. 56(5), März 2005, pp 537-45, DOI 10.1016/j.actaastro.2004.10.004

WWW:
New Scientist
Texas Center for Superconductivity and Advanced Materials
Funktion einer Silizium-Solarzelle
JSC-1: A New Lunar Soil Simulant

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